Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen und Hinweise entnehmen Sie bitte unserer Datenschutzerklärung.

Akzeptieren
5.7.2018 - Edgar-Walk

Update der mittelfristigen Ertragserwartungen

Wir haben unsere Schätzungen der mittelfristigen Ertragserwartungen neben dem bestehenden konservativen Szenario um ein progressives Szenario ergänzt. Im progressiven Szenario unterstellen wir, dass die Bewertungsabweichungen innerhalb von 15 Jahren zu ihrem Mittelwert zurückkehren, während wir im konservativen Szenario von einer schnelleren Anpassung von sieben Jahren ausgehen.

Immer zu Jahresmitte veröffentlichen wir ein Update unserer Schätzungen zu den mittelfristigen Ertragserwartungen für verschiedene Finanzanlagen. Dabei unterstellen wir einerseits eine Basisertragskraft für jede Finanzanlage, korrigiert um eine Rückkehr ihrer Bewertungen zum Mittelwert. In unserem konservativen Szenario findet die Anpassung nur über sieben Jahre statt, während im progressiven Szenario die Anpassung 15 Jahre dauert. Da wir von Konjunkturszenarien absehen, unterstellen wir im konservativen Szenario, dass ein typischer Konjunkturzyklus sieben Jahre dauert, während wir im progressiven Szenario von 15 Jahren ausgehen. Der Grund hierfür: Es gibt Anzeichen, dass die Konjunkturzyklen seit dem Zweiten Weltkrieg immer länger werden.

Von 1802 bis 2012 erwirtschafteten US-Aktien für ihre Anleger durchschnittlich einen realen Gesamtertrag von etwa 6,6 % pro Jahr (siehe Jeremy Siegel: Stocks for the Long Run). Für alle betrachteten Aktienmärkte unterstellen wir auch auf Basis anderer Studien eine einheitliche Eigenkapitalrendite von 6,0 %. Um von der Eigenkapitalrendite zur Ertragsprognose für Aktien zu gelangen, sind noch zwei Anpassungen notwendig. Einerseits ist die Bewertung des Aktienmarktes zu berücksichtigen, andererseits die Höhe der Gewinnmargen der Unternehmen. Hierbei gehen wir davon aus, dass sich eine Fehlbewertung am Aktienmarkt gleichmäßig korrigiert und die Gewinnmargen der Unternehmen zu ihrem historischen Mittelwert zurückkehren.

Nur für den Rentenmarkt unterstellen wir, dass der Realzins mittelfristig nicht zum historischen Mittelwert zurückkehrt, sondern dem Wachstumstrend der betrachteten Volkswirtschaft entspricht. Der Realzins nähert sich dementsprechend in unserem Ansatz gleichmäßig dem volkswirtschaftlichen Wachstums­trend an.

Dagegen gehen wir bei Unternehmens- und Schwellenländeranleihen in unserem konservativen Szenario von einer Rückkehr zum historisch durchschnittlichen Spread aus und berücksichtigen in unseren mittelfristigen Ertragserwartungen die historischen Kreditausfall- und Einbringungsquoten. In unserem progressiven Szenario arbeiten wir mit unveränderten Spreads.

Zum Schluss schätzen wir noch die Kosten einer Wäh-rungssicherung, um den erwarteten Ertrag von Finanz-anlagen in ausländischer Währung in Euro umrechnen zu können. In der Regel wird eine Währungssicherung über drei Monate abgeschlossen und danach regelmä-ßig nach drei Monaten über sieben Jahre hinweg er-neuert. Die Kosten einer Währungssicherung ergeben sich dementsprechend aus der durchschnittlich zu erwartenden Differenz der Dreimonatszinsen über sieben bzw. über 15 Jahre.

Durchschnittliche mittelfristige Ertragserwartungen

Geschätzter jährlicher nominaler Ertrag in % in EUR*, Daten vom 30.6.2018

Quellen: Thomson Reuters Datastream, MSCI, Metzler

* Unter Berücksichtigung der Kosten für eine Währungssicherung

Edgar Walk, Chefvolkswirt Metzler Asset Management GmbH
Edgar Walk

Chefvolkswirt , Metzler Asset Management

Edgar Walk arbeitet seit 2000 bei Metzler. Als Chefvolkswirt im Bereich Asset Management ist er für die volkswirtschaftlichen Prognosen verantwortlich. Aufgrund seiner engen Zusammenarbeit mit dem Portfoliomanagement liegt sein Fokus neben der volkswirtschaftlichen Analyse verstärkt auf Kapitalmarktthemen. Vor seiner Anstellung bei Metzler studierte Herr Walk in Tübingen Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Regionalstudien Ostasien und Japan. Zur Vertiefung seiner Studien verbrachte er ein Auslandssemester an der Doshisha-Universität in Kyoto (Japan). Am Institut für Weltwirtschaft in Kiel absolvierte er anschließend den Aufbaustudiengang „Advanced Studies in International Economic Policy Research“.