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20.11.2018

Investment-Strategie Metzler Private Banking November 2018

  • Konjunktur: Handelskonflikt bleibt zentrales Risiko für die Weltwirtschaft
  • Aktien: Stand im Konjunkturzyklus spricht für defensiver ausgerichtete Portfolios
  • Anleihen: Vom Bullen- zum Bärenmarkt

„2019 wird weder für die USA noch für die Weltwirtschaft ein Rezessionsjahr werden“, so Emmerich Müller, persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Metzler und als Metzler-Partner verantwortlich für das Private Banking, anlässlich eines Pressegesprächs am 20. November 2018 in Frankfurt am Main. Die aktuelle Konjunkturlage in allen großen Wirtschaftsregionen präsentiere sich zwar deutlich heterogener als im vergangenen Jahr, sei aber insgesamt nach wie vor zufriedenstellend. Nichtsdestotrotz kämen viele Marktbeobachter angesichts der Aktienkursrückgänge der vergangenen Wochen zunehmend ins Grübeln. „Gemäß Umfrageergebnissen halten institutionelle Investoren weltweit eine Eskalation des Handelskonflikts für das derzeit größte Risiko am Kapitalmarkt“, meint Timo Schwietering, Leiter Kapitalmarktanalyse im Metzler Private Banking. Dabei seien die konkreten Folgen einer Eskalation nur sehr schwer einzuschätzen. Schließlich lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt kaum voraussehen, welche Gegenschritte auf die von Trump angedrohten Zölle folgen würden. „Es ist jedoch anzunehmen, dass die USA selbst sehr stark unter einem sich zuspitzenden Handelskonflikt zu leiden hätten“, beurteilt Müller die Situation. Denn hinter dem irrtümlich oftmals als „globaler Handelskrieg“ deklarierten Konflikt steckten im Grunde bilaterale Auseinandersetzungen der Vereinigten Staaten mit ihren jeweiligen Partnerländern. In allen anderen Regionen laufe der Handel ganz normal weiter. Daher sei nicht davon auszugehen, dass Donald Trump tatsächlich Interesse an einer Abschottung der US-Wirtschaft habe. 

„Am Aktienmarkt sind die jüngsten Kursrückgänge nicht mit dem Beginn eines strukturellen Bärenmarktes gleichzusetzen“, erläutert Schwietering. Dafür halte sich die globale Konjunktur noch zu gut. In der Vergangenheit sei ein Hochpunkt bei globalen Aktien stets mit einem Tiefpunkt der OECD-Arbeitslosenquote einhergegangen. Dass die  Arbeitslosenquote derzeit mit 5,3 % unter ihrem bisherigen Allzeittief liege, mache vor diesem Hintergrund zwar stutzig. „Allerdings sinkt die Zahl der Arbeitslosen in Europa und Amerika kontinuierlich in vergleichbarem Tempo weiter – in Europa lediglich um drei Jahre versetzt“, so Schwietering. Da es in Amerika noch keine Rezessionssignale gebe, gehe er davon aus, dass Europa die Gelegenheit bekommt, den Rückstand am Arbeitsmarkt im kommenden Jahr weiter abzubauen. Auch weitere Indikatoren schlügen noch keinen Alarm. „Damit bleibt das Chance-Risiko-Verhältnis insgesamt ausgewogen. Das späte Stadium im Konjunkturzyklus spricht für eine vorsichtigere Anlagepolitik, nicht aber dafür, Aktien den Rücken zu kehren“, resümiert Frank Endres, Leiter des Portfoliomanagements bei Metzler Private Banking. „Da die globale Konjunktur zuletzt etwas an Fahrt verloren hat und knapper werdende Kapazitäten, steigende Zinsen sowie der anhaltende sino-amerikanische Handelskonflikt allesamt gegen eine schnell wachsende Weltkonjunktur sprechen, passen wir die Branchenallokation dem veränderten Umfeld an.“ In den Aktienportfolios habe Metzler Private Banking daher in den vergangenen Monaten die Gewichtung defensiver Branchen zulasten zyklischer Werte erhöht. 

An den Anleihemärkten hingegen sieht Endres erste Anzeichen für einen Bärenmarkt. Denn zum ersten Mal seit Mitte der 1980er-Jahre habe die Treasury-Rendite ihren eigenen Zehnjahresdurchschnitt übertroffen: „Dies allein bedeutet natürlich nicht, dass die Zinsen für die kommenden 35 Jahre wieder steigen werden. Das Durchbrechen langfristiger Trendlinien könnte dennoch ein ernstzunehmender Hinweis darauf sein, dass der Bullenmarkt beendet ist.“ Klar sei jedenfalls, dass das Angebot an US-Treasuries angesichts steigender Haushaltsdefizite weiter zunehmen werde. Gleichzeitig führe die Bilanzpolitik der Fed mittlerweile dazu, dass die Nachfrage nach US-Staatsanleihen sinke. „Wir rechnen aber nicht mit einem dynamischen Zinsanstieg – unser Renditeziel für zehnjährige US-amerikanische Staatsanleihen liegt bei ca. 3,4 % in einem Jahr“, so Frank Endres. Mit Blick auf Deutschland seien die Aussichten etwas weniger klar, meint Schwietering. Zwar sei auch hier seit gut zwei Jahren ein steigender Renditetrend zu beobachten. Die Inflationserwartungen hätten sich in den vergangenen Monaten allerdings lediglich seitwärts bewegt. Zudem sei die EZB noch Nettokäufer von Staatsanleihen und werde ihre Bestände wohl auch 2019 nicht reduzieren. Gleichzeitig bleibe das Angebot an Bundesanleihen aufgrund der hohen Haushaltsdisziplin in Deutschland weiter knapp. Endres geht trotzdem davon aus, dass sich die Renditen von Bundesanleihen nicht gänzlich von denen der US-Treasuries abkoppeln werden: „Unser Renditeziel für zehnjährige Bunds liegt bei 0,7 % in einem Jahr.“ Angesichts langsam steigender Zinsen setze er bei Anleihen weiterhin auf kürzere Laufzeiten und hohe Qualität.

Ansprechpartner für Presseanfrage

Jörg-Matthias Butzlaff, Leiter Unternehmenskommunikation, Pressesprecher
Jörg-Matthias Butzlaff

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