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2.2.2021 - Sebastian-Sachs

Ungesunder Optimismus beim britischen Pfund

Das britische Pfund bewegt sich schon seit Monaten, als würden der Brexit, die damit zusammenhängenden Konjunkturprobleme und darüber hinaus auch Covid-19 nicht existieren. Zwar lag beispielsweise Cable vor dem historisch weitreichenden Brexit-Referendum im Juni 2016 noch auf Kursniveaus von rund 1,48 Dollar und leicht darüber; doch mit aktuellen Notierungen im Bereich von rund 1,37 entsteht zumindest am Devisenmarkt nicht der Eindruck, als lägen übermäßig viele Stirnen in Falten. Seit Jahresbeginn, also praktisch dem Start der britischen "Unabhängigkeit", liegt das Pfund zwar im G10-Universum mit Ausnahme der schwedischen Krone gegen sämtliche Währungen im Minus - doch eben nur sehr verhalten. Und mit der Aussicht, dass sich die Bank of England vielleicht sogar bereits im Februar dazu durchringt, die Leitzinsen ins Minus zu drehen, passiert uns bei den Pfund-Crosses einfach zu wenig. Die Positionierung der spekulativen Marktteilnehmer ist mittlerweile ebenfalls wieder auf "long" gedreht - sehr optimistisch! Es gibt zwar die Hoffnung, dass insbesondere der Londoner Aktienmarkt mit großem Nachholpotenzial internationales Kapital anlocken könnte. Das reicht aber unserer Einschätzung nach keinesfalls aus, die Robustheit der britischen Währung ausreichend zu erklären und vor allem fortzuschreiben.

Das Chaos, das zwangsläufig im Zuge eines harten Brexit ausgebrochen wäre, wurde kurz vor Jahresende verhindert - mit der Unterzeichnung eines Handels- und Kooperationsabkommens zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. Doch viele Experten betonen noch immer, dass durch das Abkommen nur das Schlimmste verhindert worden sei und dass es keinesfalls so ist, dass UK als großer Sieger vom Platz gehen und zukünftig völlig problemlos und vor allem frei agieren kann. Der Brexit ist vollzogen, das ist klar. Daraus sollte aber keinesfalls abgeleitet werden, dass er damit auch abgeschlossen ist - nicht für die Briten und somit auch keinesfalls für das Pfund. Der nun erforderliche Abstimmungs- und Koordinierungsprozess dürfte Jahre dauern, so er überhaupt jemals vollständig beendet werden kann. Streitigkeiten und nachfolgende Schlichtungen dürften die Regel werden und auch die britische Währung belasten.

Hohe Schwankungsbreite

Nicht nur vor diesem Hintergrund war die Schwankungsbreite des Pfunds in den vergangenen viereinhalb Jahren zeitweise durchaus beträchtlich, vor allem zum Greenback. Nehmen wir das Tief vom März 2020 von 1,1485 einmal aus der Betrachtung heraus (hier war eine kurzzeitig explodierende Dollar-Nachfrage ursächlich), sehen wir im Bereich von rund 1,20 durchaus eine Bodenbildung für Cable. Doch ist gleichzeitig zu konstatieren, dass sich das Währungspaar nie lange in diesen tiefen Regionen aufgehalten hat; es gab stets schnelle und kräftige Gegenbewegungen. Im März 2018 fand sogar noch einmal ein Angriff auf 1,45 statt, doch irgendwie blieb während der gesamten Zeitspanne der schier unendlichen Brexit-Auseinandersetzung der Bereich zwischen 1,25 und 1,35 magnetisch. Gegen den Euro war die Volatilität nach einem Kurssprung gleich im Anschluss an das Referendum deutlich weniger ausgeprägt. Die Schwankungen bewegten sich größtenteils zwischen 0,85 und 0,90. Zudem erkennen wir bei Euro/Pfund im Rückblick von zehn Jahren, dass das momentane Kursniveau keinesfalls als extrem zu bezeichnen ist. Gibt es denn keine Sorgen im Markt?

Die Konjunkturaussichten für das Vereinigte Königreich bleiben auch nach Vermeiden des harten Brexit mehr als trüb. Ursächlich ist hier vor allem der mit harten Bandagen geführte Kampf gegen Covid-19 und die Folgen davon. In der zweiten Welle der Pandemie sah sich die Politik in London gezwungen, erneut einen harten Lockdown zu verhängen. Bis sich die Wirtschaft wieder erholen und ein Niveau wie vor Corona erreichen kann, gehen noch viele Monate ins Land. Etliche Experten sehen hier einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren als realistisch an. Einer jüngsten Reuter-Umfrage zufolge wird für das Gesamtjahr 2021 ein Wachstum von 4,9 % prognostiziert; für 2022 liegt der Wert mit 5,3 % nur leicht darüber.

Dass in diesem Zusammenhang auch wieder Spekulationen um die Bank of England aus dem Kraut schießen, verwundert kaum. Aus Kreisen des Monetary Policy Committee (MPC) war in den vergangenen Wochen nicht nur einmal zu hören, dass sich die internen Konjunkturprognosen noch einmal deutlich verschlechtert hätten - und vor allem, dass die Währungshüter durchaus zum Reagieren bereit seien. Während eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms hierbei das Mittel der Wahl zu sein scheint, bilden sich bei der Diskussion um negative Leitzinsen wohl zwei Lager. Die einen versuchen, die Erwartungen zu dämpfen, indem die Wirksamkeit eines solchen Schritts stark bezweifelt wird. Befürworter innerhalb des MPC verweisen auf die Vorbilder Dänemark, Eurozone, Schweiz, Schweden oder Japan: Hier seien nur Vorteile der Negativzinsen zu erkennen; Stichwort ist vor allem die gelockerte und ausgeweitete Kreditvergabe.

Relevantes Problem

Ein Problem, das durchaus auch für die Bank of England relevant sein sollte, ist die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Vereinigten Königreich. Die Arbeitslosenquote liegt auf dem höchsten Niveau seit Anfang 2016; allerdings müssen wir auch eingestehen, dass eine Rate von 5 % im Vergleich zu anderen europäischen Ländern noch moderat erscheint. Andrew Bailey, Gouverneur der BoE, äußerte sich dennoch skeptisch. Seiner Einschätzung nach ist die Zahl der Arbeitslosen deutlich höher, da sich viele Briten nicht mehr aktiv nach einem Job umschauen würden.

Wird die geldpolitische Ausrichtung also noch expansiver? Die Zentralbanker müssen sich jüngst neuen Vorwürfen entgegenstellen, sie würden Staatsfinanzierung betreiben. So hat die BoE im Jahr 2020 aktuellen Zahlen zufolge rund 80 % des Volumens neu ausgegebener Gilts erworben - das ist schon ein beträchtlicher Schluck aus der Pulle. Und natürlich werden diese Zahlen und die genannten Vorwürfe dafür sorgen, dass die Entscheidung über eine Ausweitung des Kaufprogramms oder gar über negative Leitzinsen keinesfalls leichtfertig getroffen wird. Die Markterwartung geht dennoch von einem Ausflug in den negativen Bereich bis Jahresende aus.

Schwierige Zeiten also für das Pfund. Auch wenn die Investoren der britischen Währung aktuell noch die Treue halten, so könnte der Druck bereits mit der diese Woche anstehenden Sitzung der BoE steigen. Die Gemengelage ist verworren, und nur wenige Puzzleteilchen sprechen für eine Fortsetzung des stabilen Kurses der vergangenen Monate. Zudem könnte generell eine schwächere Währung für die weitere Entwicklung in UK durchaus hilfreich sein; von offizieller Seite dürfte einer Gegenbewegung somit nichts im Wege stehen. Und letztlich zeigt auch die Kaufkraftparität, dass das Pfund momentan zu stark dasteht.

Der Artikel erschien in der Börsen-Zeitung vom 2. Februar 2021

 

Sebastian Sachs ist Stratege im Bereich Capital Markets mit Schwerpunkt in der Analyse der Anleihe-, Devisen- und Rohstoffmärkte.
Sebastian Sachs

Finanzanalyst FI/FX , Metzler Capital Markets

Sebastian Sachs ist seit 2011 bei Metzler tätig. Er ist Stratege im Bereich Capital Markets mit Schwerpunkt in der Analyse der Anleihe-, Devisen- und Rohstoffmärkte. Vor seiner Tätigkeit bei Metzler arbeitete Herr Sachs von 2006 bis 2011 als Covered-Bonds-Analyst bei der DZ Bank in Frankfurt am Main, von 2000 bis 2005 als Finanzmarktjournalist bei der Financial Times Deutschland in Frankfurt am Main und von 1998 bis 2000 als Analyst für Staatsanleihen bei Dresdner Kleinwort Benson in Frankfurt am Main. Dazwischen war er für kurze Zeit bei MTS Deutschland in Frankfurt am Main und der Berenberg Bank in Düsseldorf tätig. Herr Sachs studierte Volkswirtschaftslehre an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main mit den Schwerpunkten Finanzwirtschaft, Finanzwissenschaft sowie Geld und Währung.

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