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11.5.2021 - Guido Hoymann

EU-Strategie für grünen Wasserstoff setzt vor allem auf Importe

Grüner Wasserstoff ist ein zentrales Element der Energie- und Klimawende und spielt sowohl in der deutschen, als auch in der europäischen Wasserstoffstrategie eine wichtige Rolle. Laut EU-Strategie soll der Wasserstoffanteil am europäischen Energiemix bis 2050 von derzeit weniger als 2 % auf 13 bis 14 % steigen. Um die Klimaziele zu erreichen, benötigt Europa also große Mengen an nachhaltigem Wasserstoff – mehr, als die Mitgliedsstaaten zusammen produzieren können. Der Import von grünem Wasserstoff – beispielsweise aus Afrika, Saudi-Arabien oder Russland – ist daher ein wichtiger Baustein für die Umsetzung des europäischen „Green Deal“.

Wind- und Solarpark

 

Importstrategie und Kooperationen

Der Import von Wasserstoff steht bereits relativ weit oben auf der politischen Agenda und spielt auch in der Wasserstoffstrategie der Europäischen Kommission eine große Rolle. Mit EU-Nachbarländern wie Ägypten, Marokko oder Algerien, von denen die Union bislang fossile Brennstoffe bezogen hat, sollen neue Kooperationsvereinbarungen für den Import von grünem Wasserstoff geschlossen werden. Auch Südafrika, die USA, Australien und Japan kommen als Partnerländer für eine gemeinsame Wasserstoffwirtschaft in Frage.

Deutschland setzt auch auf strategische Partnerschaften mit West- und Südafrika. Dort herrschen gute Bedingungen für die Produktion von grünem Wasserstoff: Viel Sonne, kräftiger Wind und ausreichend verfügbare Flächen für die Erzeugung von Strom aus Solar- und Windenergie. Die Stromkosten sind deutlich niedriger als in Deutschland, und die Auslastung der dortigen Anlagen (Volllaststunden) sind aufgrund der günstigen klimatischen Voraussetzungen höher. Im Rahmen der Nationalen Wasserstoffstrategie analysiert Deutschland derzeit die Möglichkeiten für die Produktion und den Import von grünem Wasserstoff aus 31 Ländern der Subsahara-Region. Bis Ende 2021 soll der „H2-Atlas-Africa“ vorliegen. Anschließend wird in Pilotprojekten die Umsetzbarkeit der entwickelten Konzepte getestet. Ziel ist dabei, nicht nur die Deckung des deutschen Wasserstoff-Bedarfs sicherzustellen, sondern auch eine nachhaltige Entwicklung des afrikanischen Kontinents zu fördern.

Ein weiterer wichtiger Partner für die Wasserstoffwirtschaft wird Saudi-Arabien sein. Der Wüstenstaat möchte zum weltgrößten Exporteur von Wasserstoff werden und kann laut Schätzungen der Internationalen Energie Agentur (IEA) den Energieträger weit günstiger produzieren als es zum Beispiel in Europa oder China in Zukunft möglich sein wird. Im März 2021 unterzeichneten das Ministerium für Energie des Königreichs Saudi-Arabien und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eine gemeinsame Absichtserklärung. Beide Länder unterstrichen damit ihre Intention, gemeinsam konkrete Wasserstoffprojekte umzusetzen und einen gegenseitigen Wissens- und Technologieaustausch in Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft und Forschungsinstituten zu etablieren.

Auch Russland könnte als Wasserstoff-Partnerland eine große Bedeutung zukommen. Der größte Flächenstaat der Welt ist derzeit noch der wichtigste Erdgaslieferant der Europäischen Union. Energieexporte machen etwa die Hälfte der russischen Staatseinnahmen aus. Eine sinkende Nachfrage nach fossilen Brennstoffen im Zuge der Dekarbonisierung der europäischen Energiewirtschaft hätte also starke Auswirkungen auf die russische Wirtschaft. Eine vielversprechende Alternative für Russland könnte der Export von grünem Wasserstoff in die EU sein. Das Land hat bereits jahrzehntelange Erfahrung mit der Produktion von türkisem Wasserstoff, der aus Erdgas hergestellt wird. Zudem wäre die Transportinfrastruktur bereits vorhanden und gut ausgebaut: Bestehende Erdgaspipelines könnten für den Transport von Wasserstoff in die EU genutzt werden. Als problematisch dürfte sich jedoch die russische Klimapolitik erweisen. Zwar hat Russland große Wind- und Solarenergieressourcen, jedoch spielen erneuerbare Energien bislang nur eine untergeordnete Rolle. Ob die von der EU ausgegebenen anspruchsvollen Nachhaltigkeitsstandards für grünen Wasserstoff eingehalten werden können, ist daher fraglich.

Komplexe Herausforderungen beim Wasserstoffimport

Der Import von grünem Wasserstoff ist ein wichtiger Baustein der europäischen Energie- und Klimawende. Doch die Entwicklung einer Importstrategie ist komplex und mit großen Herausforderungen verbunden. Eine Stellungnahme des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI unterstreicht die Komplexität des Themas und betont, dass in den aktuellen Planungen die Bedürfnisse der Exportländer häufig nicht ausreichend berücksichtigt werden. Es müsse sichergestellt sein, dass die Partnerländer trotz Wasserstoff-Exporte den eigenen Energiebedarf decken und die Klimaziele erreichen können. Dieser Punkt wird auch in der Wasserstoffstrategie der Bundesregierung besonders betont. Dort heißt es, dass der Export von grünem Wasserstoff nicht zulasten der oft ohnehin schon strapazierten Energieversorgung innerhalb der exportierenden Länder gehen darf.

Gleichzeitig sind die spezifischen Nachhaltigkeitskriterien der Wasserstoffwirtschaft in der EU einzuhalten. Bevor es zu Vertragsabschlüssen kommen kann, muss analysiert werden, ob die in Frage kommenden Länder überhaupt in der Lage sind, die kapital- und technologieintensiven Anlagen zu errichten. Laut Fraunhofer-Experten ist mit nennenswerten Importmengen erst ab 2030 zu rechnen, denn die Errichtung von Produktionsanlagen und Transportinfrastruktur wird noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Ein koordinierter Aufbau einer internationalen sauberen Wasserstoffwirtschaft mit Fokus auf grünem Wasserstoff wird also noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Erste Wasserstoffprojekte für eine grüne Zukunft

Dennoch sind auch auf Unternehmensseite bereits erste Bemühungen um eine vorteilhafte Positionierung erkennbar. So hat beispielsweise das Energie-Unternehmen Uniper kürzlich bekanntgegeben, in Wilhelmshaven unter dem Namen „Green Wilhelmshaven“ einen deutschen nationalen Hub für klimafreundlichen Wasserstoff und ein Importterminal für grünen Ammoniak einrichten zu wollen. Für das Projekt „Clean Hydrogen Coastline“ haben sich mehrere deutsche Energie- und Industrieunternehmen zusammengeschlossen mit dem Ziel, bis 2026 400 MW Elektrolyse-Kapazität in das deutsche und europäische Energiesystem zu integrieren. Dafür soll in Norddeutschland die bereits vorhandene Strom- und Gasinfrastruktur genutzt werden. Auch Hafenbetreiber, beispielsweise in Rotterdam, Amsterdam und Valencia arbeiten bereits an Logistikkonzepten für den Import und Transport von Wasserstoff.

Guido Hoymann, Head of Equity Research bei Metzler Capital Markets
Guido Hoymann

Head of Equity Research , Metzler Capital Markets

Guido Hoymann ist seit 2000 bei Metzler tätig. Als Analyst ist er verantwortlich für die Sektoren Transport und Versorger. Seit 2014 ist Herr Hoymann Head of Equity Research im Kerngeschäftsfeld Capital Markets. Zuvor war er Co-Head of Research im Geschäftsfeld Equities. Von 1998 bis 1999 arbeitete er als Analyst für deutsche, schweizerische und österreichische Banken bei Dresdner Kleinwort Benson in Frankfurt am Main. Bereits während seines Studiums sammelte Herr Hoymann erste berufliche Erfahrungen im Investmentbanking durch Tätigkeiten und Praktika bei verschiedenen deutschen Banken in Düsseldorf, London und New York. Herr Hoymann studierte Betriebswirtschaft an der Universität Mannheim mit den Schwerpunkten Finanzierung, Bankbetriebslehre, Marketing und Handelsrecht.

GHoymann@metzler.com

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