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29.10.2020 - Carolin-Schulze-Palstring

Ein verlorenes oder ein goldenes Jahrzehnt für Aktien?

Geschichte wiederholt sich nicht. Und doch sind die Parallelen zwischen heute und den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts unverkennbar: Auch damals sah sich die Menschheit zu Beginn der Dekade mit den Folgen einer schwerwiegenden Pandemie konfrontiert – der Spanischen Grippe. Die hiesige Wirtschaft befand sich in der Krise – nicht zuletzt aufgrund hoher Reparationsforderungen, die aus dem Ersten Weltkrieg resultierten. Trotz dieser ungünstigen Voraussetzungen gingen die 1920er-Jahre als goldenes Jahrzehnt in die Geschichte ein. „Vergoldet“ wurden beispielsweise Aktieninvestments. Vom Beginn des Jahrzehnts bis zum Hochpunkt am Aktienmarkt im Jahr 1929 gewannen deutsche Aktien 428 % an Wert. Dies entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von satten 18,1 %. Dass die kommenden Jahre für Aktieninvestoren genauso ertragreich werden, erscheint aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich. Vieles spricht jedoch dafür, dass Aktien in dem nun beginnenden Jahrzehnt die attraktivste Anlageklasse sein werden – den widrigen Startbedingungen vieler Volkswirtschaften zum Trotz.

Die Bewältigung der Coronakrise und ihrer Folgen erfordert entschlossenes Handeln. Sowohl Zentralbanken als auch Regierungen lancierten in diesem Jahr historisch beispiellose Programme, um die Wirtschaft zu stützen. Bislang ist es ihnen damit erfolgreich gelungen, die Nebenwirkungen der Covid-19-Pandemie zu mildern. Die Kosten dafür werden sich allerdings nicht in Luft auflösen. In den kommenden Jahren wird verstärkt die Frage ins Blickfeld der Marktakteure rücken, wer die immensen Lasten aus der hohen Staatsverschuldung zu tragen hat. Da Politiker ihre Wähler ungern mit Ausgabenkürzungen konfrontieren oder mit steigenden Abgaben und Steuern belasten, dürften sie beim Schuldenabbau weiter den Weg der finanziellen Repression favorisieren. Dabei schmälern negative Realzinsen das Vermögen der Geldgeber und reduzieren gleichzeitig die Verbindlichkeiten der Schuldner – in diesem Fall des Staates. Für Kapitalanleger heißt das: Mit Anleihen guter Bonität wird weiterhin kein Geld zu verdienen sein. Investoren können es sich schlichtweg nicht leisten, dauerhaft ihr gesamtes Vermögen in Nominalanlagen zu halten und sich damit der schleichenden Enteignung auszusetzen. An Substanzvermögen führt demnach kein Weg vorbei. Das Argument „There is no alternative“ (TINA) gilt für die kommenden Jahre mehr denn je. Das sollte Aktien – trotz temporär möglicher Kurskapriolen – langfristig Rückenwind geben.

Aus dem Zusammenspiel von Zinsen, Schulden, Notenbanken und Staaten können langfristig jedoch auch enorme Risiken resultieren. Schließlich scheint sich – befeuert durch die Coronakrise – bei den Wirtschaftsakteuren zunehmend der Gedanke zu manifestieren, dass die Regierungen und die Währungshüter es „schon richten werden“. Die Gesellschaft droht damit sukzessive die Prinzipien der Marktwirtschaft über Bord zu werfen und stärker auf eine staatlich gelenkte Wirtschaft zu setzen – mit bekanntlich negativen Folgen für die Produktivität. Echte Bereinigungskrisen würden dann der Vergangenheit angehören, und das Prinzip der „schöpferischen Zerstörung“ bliebe dauerhaft außer Kraft gesetzt. Immer mehr Unternehmen würden folglich künstlich am Leben gehalten, obwohl sie überschuldet und/oder nicht mehr profitabel sind. Eine solche Konstellation könnte dauerhaft das Wirtschaftswachstum dämpfen. Um dies zu verhindern, dürfen Politiker, Währungshüter und sonstige Krisenmanager den Zeitpunkt nicht verpassen, ab dem die langfristigen Risiken ihres extremen Expansionskurses den kurzfristigen Nutzen übersteigen.

Die Implikationen der Coronakrise gehen jedoch weit über Fragen der Finanzwirtschaft hinaus. Schließlich fällt die Pandemie zeitlich zusammen mit einem politischen Großereignis: den US-Präsidentschaftswahlen. Nachdem ein Wahlsieg Donald Trumps im vergangenen Jahr bereits so gut wie ausgemacht schien, wurden die Karten im Präsidentschaftspoker durch Covid-19 neu gemischt. Die Vereinigten Staaten stecken aktuell inmitten einer schweren Gesundheits- und Wirtschaftskrise sowie in einer sozialen Misere. Die innenpolitische Polarisierung ist hoch, und es mangelt nicht an außenpolitischen Konflikten, insbesondere gegenüber der aufstrebenden Wirtschaftsmacht China. In diesem bewegten Umfeld werden die US-amerikanischen Bürger am 3. November an die Wahlurne gebeten. Dabei werden sie nicht nur darüber entscheiden, wer in den kommenden vier Jahren die politischen Geschicke in Washington lenkt. Es geht um deutlich mehr: Mit dieser Wahl wird entschieden, welche Partei die Wahlkreise in den USA (zu ihren Gunsten) neu festlegen darf, wer das Direktorium der Notenbank für die kommende Dekade prägen wird und unter welchem politischen Einfluss der Supreme Court, das oberste Gericht des Landes, längerfristig stehen könnte. Bei den diesjährigen Wahlen steht zweifelsohne einiges auf dem Spiel – Amerika steht vor einer Richtungsentscheidung.

MPB-Investment-Strategie 2020
Carolin Schulze Palstring
Carolin Schulze Palstring

Leiterin Kapitalmarktanalyse , Metzler Private Banking

Carolin Schulze Palstring leitet seit April 2019 die Kapitalmarktanalyse von Metzler Private Banking in Frankfurt am Main. Zuvor war sie sieben Jahre im selben Bereich als Analystin für Makroökonomie tätig. Sie absolvierte von 2012 bis 2013 ein Investment-Trainee-Programm bei Metzler. Frau Schulze Palstring studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Bankwesen an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Karlsruhe, und war gleichzeitig bei der Deutschen Bank Privat- und Geschäftskunden AG in Düsseldorf tätig. 2012 erwarb sie zudem einen Master of Letters in Finance and Management an der University of St. Andrews.

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