Déjà-vu 2022 – Gibt es ein Comeback des Reflation Trades?
Aufgrund der Folgen des Irankonflikts erwarten wir für das Jahr 2026 ein volatiles Marktumfeld. Investoren reagieren sehr sensibel in beide Richtungen auf die Nachrichtenlage aus Nahost. Entscheidend für weiteres Aufwärtspotenzial an den globalen Aktienmärkten ist, dass die Inflation, trotz des aufgetretenen Energiepreisschocks, unter Kontrolle bleibt, die globale Konjunktur gleichzeitig keinen signifikanten Schaden davonträgt und der KI-Boom kein abruptes Ende findet. Kurzfristige Schwächephasen bei Konjunktur und Unternehmensergebnissen dürften von den Anlegern toleriert werden, sofern eine bevorstehende Erholung wahrscheinlich erscheint.
Erinnerungen an das Jahr 2022 werden wach
Wie bereits im Februar 2022 infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine steigen auch aktuell die Preise für Öl und Erdgas deutlich an. Der Preis für ein Barrel Erdöl der Sorte Brent notiert inzwischen in der Nähe von 100 US-Dollar. Ängste über eine deutlich anziehende Inflation und der daraus resultierenden Notwendigkeit von Zinserhöhungen durch die Zentralbanken, die die globale Konjunktur belasten könnten, sorgen weltweit für Volatilität an den Aktienmärkten.
Vor diesem Hintergrund liegt ein Vergleich mit dem Aktienmarktjahr 2022 nahe. Damals beendeten die wichtigsten globalen Aktienmärkte das Jahr mit deutlichen Verlusten. So verlor der MSCI World Index 13,2 Prozent (in Euro) und der MSCI Europe Index gab um 10,7 Prozent nach.
Dabei zeichnete sich auf Sektorenebene ein ähnliches Bild auf beiden Seiten des Atlantiks ab. Energiewerte waren die eindeutigen Gewinner der hohen Öl- und Gaspreise und verzeichneten signifikante Kursgewinne. Defensive Sektoren wie Versorger oder Gesundheit konnten sich stabil behaupten. Zu den relativen Gewinnern zählten jedoch auch Finanzwerte. Banken und Versicherer profitierten im vollen Maße von den deutlich gestiegenen Zinsen, da die Weltkonjunktur nicht in eine Rezession rutschte und signifikante Kreditausfälle ausblieben. Auf der Gegenseite standen vor allem Zinsverlierer, also Aktien, deren Bewertung negativ von höheren Zinsen beeinflusst wird. Dazu zählen Immobilien und Wachstumsaktien, beispielsweise aus dem Technologiesektor. Auch Konsumwerte zählten zu den relativen Verlierern, da aufgrund der anziehenden Inflation mit einer Konsumzurückhaltung gerechnet wurde.
Einige Faktoren haben sich seit 2022 sicherlich verändert, und viele Unternehmen haben sich gewandelt. Jedoch ist ein Blick in die jüngere Vergangenheit hilfreich, um das Verhalten von Sektoren und Einzelwerten in einem Stagflationsszenario zu bewerten.
Investmentchancen bei Gewinnern struktureller Trends
In einem solchen Umfeld ist es umso wichtiger, Aktien zu identifizieren, die von langfristigen strukturellen Trends profitieren und unabhängig von Konjunktur- oder Zinsentwicklungen wachsen. Im ersten Quartal 2026 konnten einige dieser Trendthemen den breiten Aktienmarkt, gemessen am MSCI World Index, deutlich übertreffen. Dazu zählen vor allem Aktien aus den Bereichen kritische Rohstoffe und Elektrifizierung, die beide auf die sehr akuten Themen Energiesicherheit und -verlässlichkeit einzahlen. Dagegen entwickeln sich potenzielle KI-Verlierer, vor allem aus dem Softwarebereich, weiterhin negativ. Diskretionäre Konsumwerte und vor allem Tourismusaktien leiden unter den Folgen des Irankriegs. In beiden Segmenten bleiben wir vorsichtig und nur sehr selektiv positioniert.