Resilienz statt Risiko: Wie im Jahr 2022 kommt es im Portfolio auf Qualität, Stabilität und Widerstandskraft an
Die ökonomischen Folgen des Irankonflikts erinnern an das Jahr 2022. Bereits damals führte der russische Angriff auf die Ukraine zu einem deutlichen Anstieg der Energiepreise, höherer Inflation und einer spürbaren Abschwächung des Wachstums. Ein ähnliches Muster ist nun erneut zu beobachten. Mit der Straße von Hormus rückt ein zentraler Engpass des globalen Öl- und Gastransports in den Fokus der Märkte. Entsprechend sensibel reagieren die Öl- und Gaspreise auf jede Veränderung der politischen und militärischen Lage.
Für die Kapitalmärkte stellt diese Konstellation eine besondere Herausforderung dar. Steigende Energiepreise erhöhen den Inflationsdruck und belasten zugleich die konjunkturelle Entwicklung. Für die Notenbanken bedeutet das, dass sie weniger Spielraum für eine geldpolitische Lockerung haben und restriktiver werden müssen. Diese Kombination war bereits im Jahr 2022 problematisch, weil sie sowohl Aktien als auch Anleihen unter Druck gesetzt hat. Für Multi-Asset-Portfolios ist dies deshalb relevant, weil die üblicherweise positive Korrelation zwischen den Anlageklassen den Nutzen traditioneller Diversifikation spürbar verringert.
Lehren aus dem russischen Angriff auf die Ukraine
Wie in der Marktphase im Jahr 2022 lässt sich bisher eine Outperformance von defensiven Sektoren und Faktoren beobachten. Auf Faktorenebene entwickelten sich 2022 vor allem Low Volatility und Yield überdurchschnittlich robust, da Investoren in Krisenzeiten schwankungsarme Geschäftsmodelle, stabile Cashflows und laufende Erträge favorisieren. Auch auf sektoraler Ebene ist ein ähnliches Muster erkennbar. Versorger haben sich in der Vergangenheit als vergleichsweise widerstandsfähig erwiesen, während der Energiesektor in Phasen steigender Rohstoffpreise deutlich profitieren konnte. Daraus lässt sich ableiten, dass ein robustes Aktienportfolio in solchen Marktphasen stärker auf die genannten stabilisierenden Sektoren und Faktoren ausgerichtet sein sollte.
Für die Rentenseite gilt eine vergleichbare Logik. Langlaufende Staatsanleihen sind in einem Umfeld erhöhter Inflationsrisiken und steigender Verschuldung anfällig für Kursverluste. Eine Ausrichtung auf kurze bis mittlere Laufzeiten und höchste Bonitäten im Bereich AAA bis AA erscheint daher sinnvoll. Hochwertige Unternehmensanleihen können zusätzlich eine ertragsstarke Alternative zu fragileren Staatsanleihen darstellen, vorausgesetzt, die Kreditqualität bleibt stabil.
Mehr Stabilität bei reduziertem Risiko
Vor diesem Hintergrund haben wir die Portfoliostruktur in den vergangenen Wochen robuster ausgerichtet, die zeitweise reduzierte Aktienquote aber infolge der jüngsten Waffenruhe wieder auf ein neutrales Niveau angehoben. Gleichzeitig wurde die Duration verkürzt, um den gestiegenen Inflations- und Zinsrisiken Rechnung zu tragen, und die US-Dollar-Quote leicht erhöht. Die Goldposition wurde nach den signifikanten Kursgewinnen auf eine neutrale Gewichtung zurückgeführt.
Die zentrale Lehre des Jahres 2022 bleibt damit bestehen: In geopolitisch belasteten Marktphasen mit positiver Korrelation zwischen Aktien und Anleihen kommt es in allen Anlageklassen auf Qualität, Stabilität und Widerstandskraft an.