Thematisch Investieren am Puls der Megatrends
Megatrends sind langfristige, tiefgreifende Veränderungen von globaler Dimension, die letztendlich sämtliche Lebensbereiche durchdringen. Sie wirken sich maßgeblich auf die Investmentlandschaft aus und bilden die Grundlage für eine themenorientierte Anlagephilosophie, die nicht durch traditionelle sektorale oder regionale Denkmuster oder Stilkategorien beschränkt wird. Diese thematische Herangehensweise kann es ermöglichen, Unternehmen mit zukunftsfähigen Geschäftsmodellen zu identifizieren, die von den Megatrends profitieren, ebenso wie solche, die durch diese transformativen Entwicklungen einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt sind.
Vier Megatrends formen die Zukunft des Investierens
Aus Investorensicht sehen wir vier Megatrends als besonders entscheidend für den langfristigen Anlageerfolg an: (1) der sich immer mehr beschleunigende technologische Wandel, (2) die wachsende geopolitische Fragmentierung, (3) die notwendige Anpassung an den menschengemachten Klimawandel und die damit verbundenen Bemühungen zur Minderung seiner Auswirkungen sowie (4) der gesellschaftliche Wandel, der unter anderem durch soziodemografische Entwicklungen wie Urbanisierung und eine alternde Bevölkerung geprägt ist. Wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass diese strukturellen Trends über Jahrzehnte hinweg anhalten und systemverändernde Auswirkungen haben werden.
Die vier Megatrends lassen sich nicht strikt voneinander trennen. Zum Beispiel führt ein wachsender globaler Wohlstand insbesondere in den Schwellenländern zu mehr Konsum. Dieser erhöhte Konsum verstärkt den Klimawandel, sofern er mit einer Steigerung der Treibhausgasemissionen einhergeht. Gleichzeitig steigt durch ihn die Nachfrage nach natürlichen Ressourcen, was etwa bei kritischen Rohstoffen wie sog. seltenen Erden zu spürbarer Knappheit führen kann. Der Zugang zu diesen Rohstoffen wird zunehmend wichtig und einige Staaten streben nach Versorgungssicherheit, ohne dabei auf Freihandel zu setzen. Dies geht einher mit Aufrüstung, wachsenden Handelsbarrieren und gezielten Investitionen in regionale Lieferketten. Megatrends – im vorliegenden Beispiel der gesellschaftliche Wandel, der Klimawandel, und die geopolitische Fragmentierung – stehen also in komplexen und wechselseitigen Beziehungen zueinander und verstärken sich gegenseitig.
Megatrends als Basis thematischer Anlagestrategien
Zu den Eigenschaften von Megatrends zählt ihre Allgemeingültigkeit, die eine direkte Ableitung konkreter Investitionsentscheidungen erschwert. Hier setzen thematische Anlagestrategien an: Sie bewegen sich häufig an der Schnittstelle zu Megatrends und nutzen deren langfristige Entwicklungen als unterstützenden Rahmen. Im Fokus stehen vor allem Investitionen in Aktien, doch auch thematische Engagements in Immobilien, Rohstoffen oder Private Equity sind verbreitet. Anleihen hingegen spielen bei thematischen Anlagestrategien nur eine untergeordnete Rolle.
Im Rahmen einer thematischen Anlagephilosophie stehen sowohl Investmentthemen im Fokus, die mittelfristig ein hohes strukturelles Wachstumspotenzial aufweisen, als auch solche, deren aktuelle Bedeutung in Zukunft voraussichtlich abnehmen wird. Beide Perspektiven dienen dazu, über Rückschlüsse auf die zukünftige Gewinn- und Umsatzentwicklung potenzielle Gewinner und Verlierer frühzeitig zu erkennen. Schnelllebige Hypes, Stimmungswechsel an den Kapitalmärkten sowie kurzfristige Produkt- oder Geschäftszyklen qualifizieren sich dabei nach unserer Auffassung nicht für nachhaltig investierbare Investmentthemen. Auch gibt es Investmentthemen, für die das eigene Anlageuniversum eine Beschränkung darstellt, etwa wenn keine Investitionsmöglichkeiten mit ausreichendem thematischem Reinheitsgrad bestehen.
Entscheidend für den Erfolg ist aktives Management
Aktives Management ist für den Erfolg thematischer Anlagestrategien unerlässlich, denn statische thematische Buy- & Hold-Ansätze sind selten zielführend. Viele Investmentthemen unterliegen einem raschen Wandel, spezifischen Marktzyklen und Einflüssen externer Katalysatoren wie Politik oder Regulierung, die sich sowohl positiv als auch negativ auswirken können. Entscheidend ist zudem, dass die thematische Exponierung eines Unternehmens allein nicht über den Anlageerfolg bestimmt. Faktoren wie die Wettbewerbssituation, das Geschäftsmodell oder die Bilanz- und Managementqualität bleiben von zentraler Bedeutung. Vor diesem Hintergrund können selbst innerhalb strukturell gut unterstützter Themenportfolios erhebliche Performanceunterschiede auftreten.
Anleger sind gut beraten, einen großen Bogen um dezidierte Themenfonds zu machen, deren signifikante Underperformance vielfach dokumentiert ist.1 Themenfonds sind häufig monothematisch ausgerichtet, bieten daher nur geringe Diversifikation und weisen in der Regel eine hohe Volatilität sowie einen hohen Tracking Error auf. Hinzu kommt das inhärente Risiko, dass ein heute als aussichtsreich geltendes Investmentthema künftig an Relevanz verlieren könnte. Eine flexiblere und sinnvollere Vorgehensweise besteht daher darin, die Exponierung gegenüber Investmentthemen über breit diversifizierte Fonds zu steuern. Dies ermöglicht nicht nur die gezielte Untergewichtung weniger attraktiver Themen, sondern eröffnet vor dem Hintergrund steigender themenbasierter Kapitalströme – etwa durch thematische Broker-Baskets – eine zusätzliche Informationsdimension für die Einzeltitelselektion und das Risikomanagement, insbesondere bei der Erkennung von Konzentrationsrisiken.
Thematische Exponierung von Benchmarks variiert stark
Dass das Potenzial einer aktiven Steuerung der Themenexponierung von Portfolios grundsätzlich gegeben ist, zeigen mit Blick auf den Aktienmarkt bereits die ausgeprägten geografischen Unterschiede zwischen den Investmentuniversen. Für die auf Unternehmensebene primär anhand der Umsatzanteile identifizierten investierbaren Investmentthemen zeigen sich erhebliche Abweichungen. So weisen globale Benchmarkindizes wie der MSCI World und der MSCI Emerging Markets Index aufgrund ihres hohen US- und China-Gewichts grundsätzlich eine stärkere Themenexponierung auf als ihr europäisches Pendant. Ausschlaggebend ist dabei insbesondere die hohe Gewichtung von Unternehmen aus den Bereichen Künstliche Intelligenz und Robotik. Der MSCI Europe Index hingegen zeigt eine vergleichsweise ausgeprägte Exponierung gegenüber den Themen Alternde Gesellschaft, Elektrifizierung, Infrastruktur sowie Verteidigung und Sicherheit.