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CIO:view | Investment Summary - 15.7.2026

Nach geopolitischem Schock richten wir uns auf ein Wachstumsszenario ein

Die Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran hat das geopolitische Risikoumfeld an den Kapitalmärkten entspannt. Zwar zeigen die wieder aufgeflammten Kämpfe, wie fragil die vereinbarte Waffenruhe ist, wir gehen in unserem Basisszenario jedoch von einer Bereitschaft beider Seiten aus, den Konflikt beizulegen und nicht unkontrolliert eskalieren zu lassen. Erwartungsgemäß haben die Energiemärkte reagiert und die Preise sind deutlich gesunken. Die Normalisierung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus sowie der Wiederaufbau der Produktionskapazitäten für Öl und Gas dürfte noch einige Zeit dauern. Vorübergehende Belastungen für die wirtschaftliche Aktivität sind daher kaum vermeidbar. Gleichwohl beurteilen wir die Perspektiven für die Weltwirtschaft günstiger als vor wenigen Monaten. Zugleich ist die Wahrscheinlichkeit unseres von Stagflation geprägten Risikoszenarios deutlich gesunken.

Wir erhöhen unsere Wachstumsprognose

Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Prognose für das globale Wirtschaftswachstum zum Ende des zweiten Quartals um 0,4 Prozentpunkte angehoben. Für das laufende Jahr erwarten wir nun ein Wachstum von 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Tragende Säule der robusten Entwicklung der Weltwirtschaft bleibt die überraschend widerstandsfähige US-Konjunktur. Dort zeigt sich der private Konsum bislang resilient, zugleich gewinnen die Unternehmensinvestitionen weiter an Dynamik. 

Zinserhöhungen kommen, sie fallen aber moderat aus

Da der energiepreisbedingte Inflationsanstieg seinen Höhepunkt erreicht haben dürfte, ist die Wahrscheinlichkeit einer stark restriktiven Geldpolitik im zweiten Halbjahr gesunken. Wir erwarten, dass die Europäische Zentralbank ihren Einlagesatz bis Ende 2026 lediglich ein weiteres Mal um 25 Basispunkte anheben wird. Auch für die US-Notenbank Fed rechnen wir weiterhin nur mit einer moderaten Zinserhöhung. Das falkenhafte Auftreten des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh und das jüngste Fed-Protokoll bestätigen uns in dieser Einschätzung.

Bau von Rechenzentren: 70 % geht in IT-Hardware
Investitionsausgaben für Bau eines 1-Gigawatt-Rechenzentrums (USA), in Mrd. US-Dollar
Investitionsausgaben in Mrd. USD
Quelle: Metzler; Stand: 10.7.2026; Schätzungen; Sonstiges = Investitionen für Planung & Genehmigung, Geländevorbereitung, Wasserinfrastruktur, Sicherheit

Aktienrallye steht und fällt mit KI, Gewinnen und Iran  

An den Aktienmärkten führte die Entspannung an den Energiemärkten zahlreiche Benchmark-Indizes auf neue Höchststände. Wir rechnen mit einer Fortsetzung der Kursrallye, wenn sich die geopolitische Lage in den kommenden Monaten weiter normalisiert. Zusätzlich sollte die bevorstehende Berichtssaison nicht enttäuschen und das hohe Momentum bei KI-Investitionen in den USA nicht wegbrechen. Denn zu den größten Gewinnern des zweiten Quartals zählten vor allem Unternehmen, die am Bau und an der Ausrüstung von Rechenzentren beteiligt sind und darüber indirekt von den milliardenschweren Investitionsprogrammen der US-Hyperscaler profitieren. KI, für deren Einsatz große Mengen an Strom, Wasser, Fläche und physischer Infrastruktur benötigt werden, wirkt damit auch als Katalysator für viele traditionelle Industriezweige.

Vor allem profitieren die IT-Ausrüster: So stieg der Philadelphia Semiconductor Index (SOX), der die größten in den USA gehandelten Halbleiteraktien enthält, trotz zuletzt volatiler Seitwärtsbewegung im zweiten Quartal um rund 90 Prozent. Auch die Stärke der Schwellenländerbörsen basiert wesentlich auf TSMC und den Speicherchip-Herstellern SK Hynix und Samsung.

Ein Oligopol dominiert den Markt für Speicherchips
Operativer Quartalsgewinn (EBIT), in Mrd. US-Dollar
Quartalsgewinn in Mrd. USD
Quelle: Metzler; Unternehmensangaben, Stand: 10.7.2026; Q2-2026: vorläufige Zahlen für Samsung Electronics, Schätzung für SK Hynix, abweichende Quartale für Micron Technology

KI-Boom hat Substanz, aber Rücksetzer sind möglich

Ein abruptes Ende des KI-getriebenen Wachstumsschubs ist derzeit wenig wahrscheinlich. Die führenden US-Technologiekonzerne haben ihre Ausbaupläne für Rechenzentren zuletzt nochmals bekräftigt und teilweise ausgeweitet. Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft und Oracle wollen ihre Investitionen in diesem Jahr auf insgesamt rund 800 Mrd. US-Dollar erhöhen – nach 445 Mrd. US-Dollar im Jahr 2025. 

Zudem erfüllen die zentralen Profiteure des KI-Booms die hohen Erwartungen der Kapitalmärkte mit ihren Geschäftszahlen bislang überwiegend, sodass die jüngste Kursrallye fundamental weitgehend gerechtfertigt erscheint. Gleichwohl gehen die kräftigen Kursanstiege mit ambitionierten Gewinnerwartungen, einer geringen Marktbreite und einer hohen Konzentration einher. Insbesondere US-Technologiewerte bleiben damit anfällig für zwischenzeitliche Korrekturen.

Mit einer gewissen Skepsis betrachten wir außerdem, dass die US-Tech-Giganten die Investitionen in Rechenzentren zunehmend über Fremdkapital und nicht mehr ausschließlich aus dem freien Cashflow finanzieren. Gleichzeitig werden Programme zum Aktienrückkauf gekürzt oder gestrichen. Zusammen mit Mega-IPOs wie dem von Space Exploration Technologies („SpaceX“) verschlechtert sich damit die Relation von Aktiennachfrage zu Aktienangebot an den Märkten.

Mehr als nur KI im Blick behalten – Elektrifizierung als struktureller Trend 

In einem solchen Umfeld ist es wichtig, die Anlagestrategie nicht einseitig auf die vorherrschenden Trendthemen auszurichten, sondern Unternehmen zu identifizieren, die von langfristigen strukturellen Entwicklungen profitieren und deren Wachstum weitgehend unabhängig vom Konjunktur- und Zinszyklus verläuft. Ein Beispiel hierfür sind Unternehmen aus dem Bereich der Elektrifizierung. Zwar verleihen der KI-Boom und die höheren Energiepreise dem Sektor aktuell zusätzlichen Rückenwind. Die eigentlichen Wachstumstreiber reichen jedoch weit darüber hinaus und sind struktureller Natur: die Transformation der Energiesysteme, die fortschreitende Elektrifizierung von Industrie und Mobilität sowie das Bestreben vieler Staaten, ihre Energieversorgung resilienter und unabhängiger zu gestalten. 

Bei Langläufern ist weiterhin Zurückhaltung angesagt 

Am Rentenmarkt markieren die Staatsanleiherenditen auch nach der Entspannung an den Energiemärkten höhere Niveaus als im ersten Quartal des Jahres. Das gilt besonders für Kurzläufer, wo steigende Leitzinserwartungen die Kurse belastet haben. Das lange Ende der Zinskurve steht dagegen unverändert unter dem Einfluss struktureller Faktoren und vor allem die hohe Staatsverschuldung begrenzt das Potenzial für fallende Renditen. In den USA verschärfen die zusätzlichen Militärausgaben für den Irankrieg die ohnehin angespannte Haushaltslage. Bei langlaufenden Staatsanleihen bleiben wir vor diesem Hintergrund zurückhaltend. Bei Unternehmensanleihen bevorzugen wir weiterhin Emittenten mit hoher Bonität. Investment Grade-Anleihen erscheinen uns unverändert attraktiver als High Yield-Papiere. Mit Blick auf das Emissionsgeschehen raten wir zudem zu einer selektiven Positionierung. Die hohe Zahl überwiegend in US-Dollar begebener Neuemissionen aus dem KI-Sektor spricht aus unserer Sicht für eine Präferenz zugunsten von Euro-denominierten Unternehmensanleihen.

Aktuelle Positionierung

Das Portfolio unserer aktiv-diskretionären Multi-Asset-Strategie haben wir in den vergangenen Monaten auf ein Wachstumsszenario hin ausgerichtet. Dazu wurde die Aktienquote erhöht, eine diversifizierte defensive Struktur innerhalb des Aktienbausteins jedoch aufrechterhalten.

Bei Anleihen bleiben wir vorsichtig und legen den Fokus auf kurze Laufzeiten. Euro-denominierten Unternehmensanleihen (Investment Grade) haben wir zuletzt aufgestockt. 

Die Aussicht auf steigende Realzinsen hat uns zu einer taktischen Reduzierung der Goldquote veranlasst. Die restriktivere Tonlage der US-Notenbank sowie die robuste Verfassung der US-Wirtschaft rechtfertigen aus unserer Sicht derzeit eine neutrale Positionierung im US-Dollar.

Einschätzung und Veränderungen im Überblick
Unsere zentralen Investmentthesen
   
1 Wir sind optimistisch für Aktien
Entspannt sich der Irankonflikt und enttäuschen die Berichtssaison und die KI-Investitionen nicht, geht die Rallye weiter.
   
2 Mehr als nur KI im Blick behalten 
Wir favorisieren Gewinner struktureller Trends, vermeiden jedoch eine einseitige Ausrichtung.
   
3 Kurzläufer bei Anleihen bevorzugt
Aufgrund der Inflationsrisiken und hoher Staatsverschuldung verzichten wir auf Anleihen mit langen Laufzeiten. 
   
4 Wir setzen weiter auf ein Risk-on-Szenario
Nach dem Makroschock richten wir unsere Multi-Asset-Strategie auf ein KI-getriebenes Wachstumsszenario hin aus.

 

Quelle: Metzler; Stand: 10.7.2026

Oliver Schmidt, Chief Investment Officer
Oliver Schmidt

CIO, Geschäftsführer
Metzler Asset Management