Cookies

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind für den Betrieb der Seite technisch oder rechtlich notwendig. Andere helfen uns, unser Onlineangebot stetig für Sie zu verbessern oder den Seitenbesuch für Sie komfortabler zu gestalten, indem Ihre Einstellungen gespeichert werden. Sie können Ihre Auswahl der akzeptierten Cookies individuell treffen und die Einstellungen jederzeit ändern. Weitere Informationen erhalten Sie unter Details.

Diese Cookies sind für den Betrieb der Seite technisch oder rechtlich notwendig.
*Sie können daher nicht abgewählt werden.

Um unsere Webseite für Sie weiter zu verbessern, erfassen wir anonymisierte Daten für Statistiken und Analysen.

Diese Cookies sollen Ihnen die Bedienung der Seite erleichtern. So können Sie beispielsweise Ihre Einstellungen 30 Tage lang speichern lassen.

CIO:view | Volkswirtschaft - 15.7.2026

Der Aufschwung der Weltwirtschaft dürfte bald auf einem stabileren Fundament stehen

Der KI-Boom als alleiniger Wachstumsmotor

Der gegenwärtige Investitionsboom in künstliche Intelligenz (KI) ist weit mehr als ein sektoraler Technologiezyklus. Er hat sich zu einer tragenden Säule der Weltkonjunktur entwickelt. Noch im November 2025 planten die fünf großen US-Hyperscaler für das Jahr 2026 Investitionen in KI-Infrastruktur von rund 400 Mrd. US-Dollar. Inzwischen liegt das erwartete Investitionsvolumen bei etwa 800 Mrd. US-Dollar, für 2027 werden bereits mehr als 1,1 Bio. US-Dollar veranschlagt. Denn KI erschöpft sich nicht im Virtuellen, sie zeigt sich auch materiell in gigantischen Rechenzentren. Aus diesem Grund strahlt der US-Investitionsboom weit über die Vereinigten Staaten hinaus. Ostasien profitiert besonders stark: Taiwan, Südkorea, Japan und China liefern viele der Hochtechnologiegüter, ohne die die neue KI-Infrastruktur nicht entstehen kann. Der Aufschwung in Asien ist daher derzeit noch ein Zulieferzyklus für die amerikanische KI-Investitionswelle. In den USA wiederum erklärt dieser Investitionsschub einen erheblichen Teil der erstaunlichen konjunkturellen Widerstandskraft. Besonders sichtbar wurde dies im ersten Quartal des laufenden Jahres: Die Unternehmensinvestitionen in Technologiegüter stiegen mit knapp 20 Prozent so stark wie noch nie seit 1990. Gleichzeitig stagnierten die Unternehmensinvestitionen außerhalb des Technologiesektors seit dem ersten Quartal 2025 nahezu. 

Gewinnt der Aufschwung an Breite?

Wenn die US-Hyperscaler ihre KI-Infrastruktur ausbauen, profitieren zahlreiche Zulieferer. Sie verzeichnen höhere Umsätze, eine bessere Auslastung und steigende Margen. Das erhöht ihre Fähigkeit und Bereitschaft, selbst zu investieren. Mehr Aufträge führen zu Kapazitätserweiterungen, Kapazitätserweiterungen zu Maschinenbestellungen. Ein weiterer Impuls entsteht durch die Diffusion der Technologie. Der KI-Boom führt dann dort zu Wachstum, wo Geschäftsprozesse neu organisiert werden. Auch die Erwartungen spielen eine zentrale Rolle. Investitionen hängen nicht nur von den aktuellen Gewinnen ab, sondern auch von der Aussicht auf künftige Produktivitätsgewinne. Wenn Unternehmen glauben, dass KI-Kosten senkt, neue Absatzchancen eröffnet oder Geschäftsmodelle verändert, werden Investitionen vorgezogen. Derzeit signalisieren die Frühindikatoren, dass sich der Investitionsboom auf andere Branchen verbreitert, die Weltwirtschaft an Wachstumsdynamik gewinnt und der globale Aufschwung auf einem solideren Fundament steht. Wir haben dementsprechend unsere Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft angehoben.  

Europas Wachstum wird im Spätherbst anziehen

Die wirtschaftliche Lage der Eurozone ist stabiler, als es der Blick auf die offiziellen BIP-Zahlen nahelegt. Irland, dessen Anteil an der Wirtschaftsleistung der Eurozone nur rund 3,5 Prozent beträgt, kann die aggregierten Daten erheblich verzerren. Viele internationale Konzerne buchen geistiges Eigentum, Patente, Lizenzen, Gewinne oder Exportströme über Irland. Bereinigt man das BIP der Eurozone um diese irischen Sondereffekte, wächst die Wirtschaft des Euroraums seit dem ersten Quartal 2024 relativ stabil mit etwa 1,0 Prozent in der Nähe ihres Potenzialwachstums. Von einem allgemeinen Aufschwung der Weltwirtschaft dürfte die Eurozone dann ab Spätherbst profitieren.

Edgar Walk
Edgar Walk

Chefvolkswirt
Metzler Asset Management