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Franz von Metzler im Interview mit Matthias Schmolz, erschienen im Deutschen Stiftungszentrum am 24.02.26 - 26.2.2026

Das Potenzial für einen Stimmungsumschwung ist da

Franz von Metzler, Vorstandmitglied im Bankhaus Metzler und Mitglied im DSZ-Anlagebeirat, sieht im Gespräch mit DSZ-Geschäftsführer Matthias Schmolz positive Anzeichen für die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland und erläutert, wie er die geopolitischen Risiken, die Gefahr eines KI-Crashs an den Börsen und die Arbeit der Bundesregierung einschätzt.

Matthias Schmolz: Lieber Herr von Metzler, den Krisen zum Trotz haben 2025 so viele Deutsche wie nie zuvor in Aktien investiert. Gleichzeitig beobachten wir bei Stiftungen eine Renaissance der Rentenpapiere. Ist diese Rückkehr zum Zins ein Ausdruck von zu viel Vorsicht oder schlicht eine rationale Reaktion auf das veränderte Umfeld?

Franz von Metzler: Für Stiftungen ist die stärkere Gewichtung von Rentenpapieren in der Tat eine Reaktion auf das veränderte Umfeld. Nach Jahren negativer Realzinsen bieten Anleihen wieder planbare Erträge, die gut zu ihrem Auftrag passen, langfristig und verlässlich zu fördern. Aktien bleiben unseres Erachtens jedoch wichtig für den realen Vermögenserhalt. Die höhere Volatilität von Aktien im Vergleich zu Anleihen können auf Ewigkeit ausgerichtete Stiftungen tragen. 

In der Summe ist in einem Umfeld hoher Unsicherheit eine Kombination aus stabilen Zinseinnahmen und selektivem Risiko rational. Entscheidend ist nicht das einzelne Instrument, sondern die ausgewogene Gesamtallokation. Aktien bleiben dabei ein elementarer Baustein, dessen unvermeidliche zwischenzeitliche Schwankungen von langfristig orientierten Investoren wie Stiftungen bewusst in Kauf genommen werden sollten.

Gilt für langfristige Anleger wie Stiftungen der alte Satz „Nur wer verkauft, verliert“ heute noch uneingeschränkt, oder bedarf es 2026 eines aktiveren Managements, um das Stiftungsvermögen real zu erhalten?

Der langfristige Anlagehorizont von Stiftungen bleibt zentraler Faktor, aber der Satz „Nur wer verkauft, verliert“ gilt heute nicht mehr uneingeschränkt. In einem Umfeld mit strukturellen Zinsveränderungen, geopolitischen Risiken und höheren Inflationsdynamiken erfordert die Realwerterhaltung ein aktiveres Management, das Strukturbrüche erkennt, Risiken steuert und auch taktische Chancen nutzt. 

Buy-and-hold allein reicht nicht mehr aus, wenn sich Bewertungsniveaus und Ertragsstrukturen nachhaltig verändern. Entscheidend ist vor allem eine ausgewogene und auf die Stiftung individuell ausgerichtete strategische Asset-Allokation und darüber hinaus eine disziplinierte, risikobewusste Allokationsstrategie mit regelmäßiger Überprüfung. So lassen sich Stabilität und Wachstum im Stiftungsvermögen verbinden.

Sie sind Mitglied im Anlagebeirat des Deutschen Stiftungszentrums. Welche Leitplanken halten Sie derzeit für entscheidend bei der Aktienquote, und welche Rolle spielen dabei alternative Anlagen als Stabilitätsanker? 

Gerade bei Aktien zählt für Stiftungen der langfristige Blick. Bereits bei der Erarbeitung der langfristigen strategischen Asset-Allokation sollte man sich bewusst fragen, welche Aktienquote man auch in schwachen Marktphasen aus- und durchhalten kann. Eine Quote, die nur in guten Zeiten trägt, kann in Stressphasen zu Fehlentscheidungen führen, die langfristig sehr weh tun. Entscheidend ist, dass die Aktienquote zum Ausschüttungsbedarf und zur Volatilitätstoleranz der Stiftung passt. 

Daneben spielen Alternative Anlagen im Portfoliokontext eine zentrale Rolle für Diversifikation und Stabilisierung, da sie häufig eine geringere Korrelation zu klassischen Aktien- und Rentenmärkten aufweisen. Besonders Infrastrukturinvestments zeichnen sich durch langfristige Verträge, inflationsindexierte Cashflows und eine hohe Ertragsvisibilität aus. Damit unterstützen sie Stiftungen gerade in volatilen Marktphasen beim realen Kapitalerhalt. Entscheidend ist, dass diese Anlagen strategisch eingebettet und mit einem langen Anlagehorizont umgesetzt werden.

Ein Großteil der Kursgewinne US-amerikanischer Aktien wurde 2025 für europäische Anleger durch den schwächeren Dollar wieder aufgezehrt. Wie schätzen Sie die weitere Währungsentwicklung ein, und sollten Stiftungen Währungsrisiken aktuell konsequenter absichern?

Grundsätzlich sollten Fremdwährungsanleihen immer währungsgesichert sein, da die Schwankungsbreite von Währungsbewegungen in der Regel deutlich größer ist als die der Anleihekurse. Bei Aktien ist es anders. Die Schwankungsbreite der Aktienkurse ist größer und es gibt ein natürliches Gegenelement. Anleger verlieren zwar direkt durch die Währungsabwertung, gewinnen aber indirekt durch den positiven Kurseffekt von Aktien internationaler Unternehmen, die von einer schwächeren Währung profitieren.

Vor diesem Hintergrund sichern wir internationale Aktien nie komplett gegen Währungsrisiken ab. Wir haben derzeit jedoch eine Teilsicherung beim US-Dollar, da wir in den USA einen politischen Willen für eine schwächere Währung und gleichzeitig das Risiko sehen, dass immer mehr europäische Anleger ihr Geld aus den USA abziehen. Für den US-Dollar spricht jedoch immer noch die technologische Überlegenheit der USA und die erkennbare Beschleunigung des Produktivitätswachstums.  

Daran anknüpfend: Es wird intensiv darüber debattiert, ob der Dollar schleichend seinen Status als globale Leitwährung verliert. Welche Konsequenzen hätte das für die globale Finanzarchitektur und wie können sich langfristige Investoren gegen dieses systemische Risiko wappnen?

Ich denke, dass die Frage nach der zukünftigen Wechselkursentwicklung des US-Dollars und die Frage nach seinem Status als Weltreservewährung unabhängig voneinander sind. Es ist nahezu unmöglich, dass der US-Dollar auf absehbare Zeit seinen Status als Weltreservewährung verliert, da es einerseits keine echte Alternative gibt und die Währung andererseits sehr stark im globalen Finanzsystem verankert ist. 

Der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zufolge haben Nicht-US-Wirtschaftsakteure weltweit knapp 40 Billionen US-Dollar an Schulden. Die Welt ist abhängig von einem täglichen Zugang zu einer US-Dollar-Finanzierung. Trotz all dem kann sich der Wechselkurs an den Devisenmärkten abschwächen, ohne den Status als Weltreservewährung zu gefährden.

Franz von Metzler
Der langfristige Anlagehorizont von Stiftungen bleibt zentraler Faktor, aber der Satz "Nur wer verkauft, verliert" gilt heute nicht mehr uneingeschränkt.
Franz von Metzler

Trotz hoher Staatsverschuldung und geopolitischer Irritationen zeigen sich die US-Märkte oft unbeeindruckt. Bleiben die USA aus Ihrer Sicht der „Safe Haven“ und der attraktivste Aktienmarkt, oder sehen wir 2026 eine Bewegung in andere Regionen?

Der US-Aktienmarkt ist grundsätzlich attraktiv, da es nur dort viele innovative Technologieunternehmen gibt. Gleichzeitig dominieren diese Unternehmen jedoch die Aktienmarktentwicklung so stark, dass keine gute Diversifikation mehr über viele verschiedene Branchen gewährleistet ist. Dementsprechend erwarten wir eine zunehmende Umschichtung aus US-Aktien in die Aktienmärkte anderer Länder, um eine bessere Diversifikation bei einer gleichzeitig niedrigen Bewertung zu erreichen. Bei Metzler Asset Management haben wir diesen Schritt bereits vollzogen.

Neben den genannten Problemen rücken weitere strukturelle Risiken in den Fokus: Die Zinsentwicklung in Japan, der US-Immobilienmarkt oder die Schuldenstände in Europa. Welches dieser Risiken wird vom Markt derzeit am stärksten unterschätzt?

Für 2026 haben wir drei unterschätzte Risiken identifiziert. Erstens könnte der KI-Boom zu einem vorschnellen Ende kommen, wenn die Erkenntnis eintritt, dass die immensen Investitionsvolumina nicht die Ertragserwartungen erfüllen. Zweitens besteht die Möglichkeit erheblicher Kreditausfälle bei Private Debt und Leveraged Loans, da der Kreditboom viele Anzeichen einer Überhitzung zeigt. Und drittens könnte die Staatsschuldenkrise ein Eingreifen der Zentralbanken erfordern, was hohe Inflationsrisiken und Währungsschwächen zur Folge hätte. 

Das Thema Künstliche Intelligenz wird derzeit von fast permanenten Crash-Warnungen begleitet, doch die Kurse steigen trotzdem weiter. Ist diese ständige Skepsis ein gesundes Korrektiv, das eine Blasenbildung gerade verhindern kann, oder ignorieren die Märkte die Gefahr einer Korrektur wie im Jahr 2000?

Im Gegensatz zum Jahr 2000 sind in diesem Zyklus die Technologieunternehmen hoch profitabel, sodass Bewertungen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis nicht vergleichbare Extremwerte wie damals aufweisen. Dass aber überhaupt über eine mögliche Blase gesprochen wird, zeigt, dass Fehlentwicklungen zu beobachten sind und die Risiken einer Korrektur steigen. Gleichzeitig ist ein skeptisches Anlegerverhalten wiederum der beste Schutz vor allzu großen Übertreibungen an den Kapitalmärkten.

Gerade bei Aktien zählt für Stiftungen der langfristige Blick.
Franz von Metzler

Wir beobachten, dass Krisen an den Börsen immer schneller verarbeitet werden; selbst gravierende Ereignisse führen oft nur noch kurzfristig zu Volatilität. Sind die Märkte tatsächlich resilienter geworden, oder haben wir uns schlicht an eine permanente Unsicherheit gewöhnt?

Die Börsen reagieren nur dann signifikant, wenn eine Krise negative Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne hat und/oder wenn die Zinsen deutlich steigen. Beispielsweise zeigt unsere Analyse, dass geopolitische Ereignisse in der Regel nur eine Woche lang die Börsen durchschütteln. Es gibt jedoch eine Ausnahme: wenn ein geopolitisches Ereignis signifikante Auswirkungen auf den Ölpreis hat, ist oft eine längere Korrekturphase an den Börsen zu beobachten. Ein stark steigender Ölpreis reduziert direkt die Gewinne der Unternehmen und bremst die globale Konjunktur. 

In Deutschland scheint selbst Resilienz in Pessimismus umzuschlagen, was zu der massiven Investitionslücke hierzulande beiträgt. Was müsste passieren, damit ein Stimmungsumschwung gelingt?

Die neue deutsche Regierung hat viel richtig gemacht. Höhere Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur waren schon lange notwendig. Zusätzlich stabilisieren sie in dieser schwierigen Zeit die Konjunktur. Auch wurden schon erste Strukturreformen umgesetzt. Entscheidend ist, den Kapitalmarkt stärker in die betriebliche und private Altersvorsorge einzubinden. Das ermöglicht breiten Bevölkerungsschichten, am globalen Produktivwachstum zu partizipieren. Gleichzeitig entsteht dadurch mehr langfristiges Kapital, das etablierte Unternehmen für Investitionen nutzen können und das Startups als Wachstumskapital zur Verfügung steht. Bis die Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmen merken, dass sich die Lage bessert, wird es aber noch etwas dauern. Darüber hinaus wäre es wichtig, den Prozess der Strukturreformen, der Deregulierung und Entbürokratisierung fortzusetzen. Das Potenzial für einen positiven Stimmungsumschwung ist auf alle Fälle gegeben. 

Das Interview erschien zuerst beim Deutschen Stiftungszentrum am 24.02.26