Die Woche der Notenbanken: Warum vor allem die EZB unter Zugzwang steht
In der kommenden Woche wird sich der Fokus auf die Sitzungen der sechs großen Notenbanken richten. Die Notenbanksitzungen stehen dabei unter dem Eindruck des jüngsten Energiepreisschocks infolge der Eskalation im Nahen Osten.
Kurzfristig ist als eine Folge dessen mit einem erhöhten Inflationsdruck in allen Regionen zu rechnen. Zugleich verdüstern sich aber auch die Wachstumsaussichten spürbar. So könnten die vom ZEW erhobenen Konjunkturerwartungen am Dienstag einen merklichen Rücksetzer erlitten haben. Genau darin liegt das Dilemma: Höhere Öl- und Gaspreise treiben die Verbraucherpreise, wirken aber zugleich wie eine Zusatzsteuer auf Unternehmen und Haushalte.
Die Folge ist ein zunehmend stagflationäres Umfeld, in dem die Notenbanken zwischen Preisstabilität und Konjunkturschutz abwägen müssen. Je besser die langfristigen Inflationserwartungen verankert sind, desto geringer die Risiken von Zweitrundeneffekten – und umso leichter die Aufgabe für die Zentralbank.
In den USA sind zwar die einjährigen Inflationsswap-Raten deutlich gestiegen, die 10-jährigen Inflationsswap-Raten sind jedoch mehr oder weniger stabil geblieben. Die Finanzmärkte rechnen also mit einem schnellen Rückgang der Inflation auf normale Niveaus, sodass mit einer im Durchschnitt stabilen Inflation über die kommenden 10 Jahre gerechnet wird.
Die US-Notenbank muss sich also weniger Sorgen um eine gefährliche Lohn-Preis-Spirale machen und kann sich vor diesem Hintergrund eher auf die Wachstumsrisiken fokussieren. Auch dürften die anhaltend niedrigen Erdgaspreise in den USA unterstützend wirken. Zumal US-Präsident Donald Trump auch noch die Option hat, Energieexporte zu untersagen, um den Inflationsdruck im Inland zu reduzieren.
Quellen: Polymarket, Metzler; Stand: 9.3.2026
Im Gegensatz dazu sind in der Eurozone die 10-jährigen Inflationsswap-Raten gestiegen, auf über 2,2 Prozent. Die Finanzmärkte rechnen also damit, dass die EZB ihr Inflationsziel leicht verfehlen wird. Die Erwartung von moderaten Zweitrundeneffekten ist wahrscheinlich der Grund dafür. Auch in Großbritannien sind die 10-jährigen Inflationsswap-Raten zuletzt nennenswert gestiegen.
Quellen: Fred Economic Data, Metzler; Stand: 28.2.2026
Ein Grund dafür könnte die unterschiedliche Lage am Arbeitsmarkt in den USA und der Eurozone sein: In den USA steigt in der Tendenz die Arbeitslosenquote schon seit 2023, während sie in der Eurozone zuletzt auf einen historischen Tiefstand gefallen ist. Die USA verzeichneten zudem ein merklich höheres Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren, sodass der Anstieg der Arbeitslosenquote mit einem hohen Produktivitätswachstum und einer restriktiven Geldpolitik erklärt werden kann.
Dass die Arbeitslosenquote in der Eurozone trotz eines schwachen Wirtschaftswachstums gefallen ist, kann nur mit einem äußerst schwachen Produktivitätswachstum erklärt werden. Der Arbeitsmarkt in der Eurozone ist also eng und die Risiken einer Lohn-Preis-Spirale damit größer als in den USA. In Großbritannien war dagegen zuletzt eine merkliche Schwäche am Arbeitsmarkt zu beobachten, aber auch eine hartnäckig hohe Inflation.
Die Folgen für Zentralbanken
Die EZB steht somit unter Handlungsdruck. Sie muss die Inflationserwartungen wieder einfangen und bei 2,0 Prozent verankern. Auch darf sie keine Zweitrundeneffekte zulassen. Vor diesem Hintergrund dürfte die EZB zwar am Donnerstag den Leitzins nicht anheben – aber in der anschließenden Pressekonferenz baldige Leitzinserhöhungen ins Spiel bringen.
Die US-Notenbank kann dagegen eine abwartende Haltung einnehmen und muss sogar Leitzinssenkungen nicht ausschließen, da immer noch eine Leitzinssenkung bis Jahresende an den Finanzmärkten eingepreist ist – bei stabilen langfristigen Inflationserwartungen.
Die Bank von England kann aufgrund der steigenden langfristigen Inflationserwartungen nicht auf die Schwäche am Arbeitsmarkt mit Leitzinssenkungen reagieren. Sie muss eine abwartende Haltung einnehmen und dadurch mit einer anhaltend restriktiven Geldpolitik die damit verbundenen konjunkturellen Risiken in Kauf nehmen.
Die Bank von Japan verfolgt nach wie vor eine zu lockere Geldpolitik. Die steigenden Energiepreise könnten somit eine stärker als erwartete Inflationsdynamik auslösen. Aufgrund der Turbulenzen und der gestiegenen Unsicherheit dürfte die BoJ jedoch auch erst einmal eine abwartende Haltung einnehmen und auf der nächsten oder übernächsten Sitzung die notwendige Leitzinserhöhung vollziehen.
Darüber hinaus finden auch Sitzungen der australischen Zentralbank am Dienstag und der kanadischen Zentralbank am Mittwoch statt.
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