Nur kleiner Inflationsgipfel in der Eurozone
Am Dienstag werden die Inflationsdaten für die Eurozone im Mai veröffentlicht. Wir rechnen mit einem Anstieg der Inflation von 3,0 Prozent im April auf 3,2 Prozent im Mai. In den kommenden Monaten dürfte sich die Inflation bis auf etwa 3,5 Prozent beschleunigen – in Abhängigkeit von der Entwicklung der Energie- und Lebensmittelpreise. Im April 2027 sehen wir jedoch bereits wieder einen Rückgang auf etwa 2,0 Prozent.
Quellen: Bloomberg, Metzler; Stand: 30.4.2026
Ein Angebotsschock verursacht in der Regel keine dauerhaft hohe Inflation, sondern bewirkt nur einen einmaligen Anstieg des Preisniveaus, sodass die Inflation nach 12 Monaten wieder auf das zuvor vorherrschende Niveau zurückkehrt. Vor dem Hintergrund des globalen Energieschocks ist ein voraussichtlicher Inflationsgipfel von 3,5 Prozent als sehr moderat einzuschätzen. Ein Grund dafür ist, dass die Erdgaspreise in Europa dieses Jahr deutlich weniger stark gestiegen sind als 2022. Darüber hinaus war das Geldmengenwachstum in den vergangenen Jahren eher schwach – im Gegensatz zu 2022, als umfangreiche Staatshilfen und ein aufgestauter Konsum die Geldmenge M3 um eine Wachstumsrate von etwa 12,0 Prozent explodieren ließen. Damals war viel Geld vorhanden und es bestand die Bereitschaft, dieses Geld auch zu jedem Preis auszugeben – nach einer langen Phase des Lockdowns. Derzeit ist wenig Geld da, es gibt keinen Nachholbedarf beim Konsum, bei gleichzeitig starker Verunsicherung der Konsumenten. Der Energiepreisschock wirkt 2026 deutlich stärker belastend auf das Wirtschaftswachstum als auf die Inflation – im Gegensatz zu 2022.
Quellen: Bloomberg, Metzler; Stand: 31.3.2026
Nur sogenannte Zweitrundeneffekte können bei einem Angebotsschock eine gefährliche Inflationsdynamik verursachen. Zweitrundeneffekte entstehen, wenn die privaten Wirtschaftsakteure das Vertrauen in die Geldpolitik verlieren und eine deutlich höhere Inflation nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in der Zukunft erwarten – und dementsprechend handeln. Bei Unternehmen bedeutet dies eine aktivere Preispolitik, bei Arbeitnehmern höhere Lohnforderungen und bei Konsumenten ein Vorziehen der Ausgaben.
Verschiedene Mitglieder des EZB-Rats sprachen zuletzt von ersten Anzeichen einer Entankerung der langfristigen Inflationserwartungen – also von steigenden Risiken für das Entstehen von Zweitrundeneffekten. Darauf muss die EZB mit Leitzinserhöhungen reagieren. Wir rechnen daher mit einer Leitzinserhöhung im Juni. Ob die EZB auch im September noch einmal anheben muss, wird von den Konjunkturdaten und den dann vorherrschenden Inflationserwartungen abhängen. Derzeit rechnen wir noch mit einem zweiten Schritt. Im Gegensatz dazu preisen die Finanzmärkte bis Jahresende sogar noch zwei bis drei Leitzinserhöhungen ein. Offensichtlich erwarten sie ein besseres Wirtschaftswachstum, einen höheren Inflationsgipfel und/oder eine stärkere Reaktion der EZB auf die bestehende Inflation und kaum eine Reaktion der EZB auf die zukünftige Inflation.
USA: Arbeitsmarkt im Fokus
Am Dienstag wird die Zahl der offenen Stellen im April veröffentlicht, am Freitag dann die Beschäftigungsdaten und die Arbeitslosenquote für Mai. Während die vom Conference Board befragten Privathaushalte von einer gewissen Verschlechterung der Lage am Arbeitsmarkt im Mai berichteten, zeigten andere Indikatoren, wie die Erstanträge zur Arbeitslosenhilfe, dagegen zuletzt Stärke. Offensichtlich bleibt derzeit die beste Beschreibung des US-Arbeitsmarkts: „No hire, no Fire“. Der Arbeitsmarkt dürfte somit keine starken Signale für die Geldpolitik liefern. Wir rechnen mit keinem Zinsschritt der Fed in diesem Jahr mehr.
Darüber hinaus wird am Montag noch der ISM-Index und am Mittwoch der ISM-Index für den Dienstleistungssektor veröffentlicht. Auch von diesen beiden Indikatoren erwarten wir keine größeren Impulse.
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