Was hat Donald Trump mit seiner Handelspolitik erreicht?
In der kommenden Woche werden die USA, Deutschland und China ihre Außenhandelsdaten für April beziehungsweise Mai veröffentlichen. Vor etwa einem Jahr schockte US-Präsident Donald Trump die Welt mit seinen Zollankündigungen am „Liberation Day“. Seitdem musste er mehrmals in seiner Zollpolitik zurückrudern, nichtsdestotrotz ist der Zollsatz aktuell merklich höher als vor seiner Wahl.
Das Yale Budget Lab schätzt den aktuellen durchschnittlichen effektiven US-Zollsatz auf 11,8 Prozent vor Substitutionseffekten. Diese Zahl misst nicht die später tatsächlich gezahlte Zollbelastung nach Anpassungen der Handelsströme, sondern die unmittelbare Belastung auf Basis der bestehenden Importstruktur. Gerade deshalb ist sie volkswirtschaftlich relevant: Sie zeigt den Kostenschock, dem Unternehmen und Konsumenten zunächst ausgesetzt sind, bevor sie auf andere Lieferländer, Produkte oder Beschaffungswege ausweichen.
Für Ende 2026 ergibt sich je nach politischem Verlauf eine Spanne von 9,7 bis 12,2 Prozent vor Substitution; nach Anpassungen der Importe (nach Substitution) sinkt sie auf 8,2 bis 10,5 Prozent. Die Perspektive bleibt damit klar: Selbst beim Auslaufen temporärer Zölle verbleibt der US-Zollsatz auf historisch erhöhtem Niveau und dürfte Handelsentscheidungen, Preise und Investitionsplanung weiterhin belasten. Noch Ende 2024 betrug der durchschnittliche Zollsatz etwa 2,5 Prozent.
Nach einem Jahr Zollerhöhungen und Zollchaos bietet sich eine Bestandsaufnahme an. Interessanterweise ist in den USA kein Trend einer Verbesserung des Handelsbilanzdefizits zu erkennen. In den kommenden Monaten dürfte sich das Defizit sogar noch verschlechtern, da der US-amerikanische KI-Boom mit einer großen Nachfrage nach IT-Gütern aus Asien einhergeht. Grundsätzlich gilt, dass das Handelsbilanzdefizit maßgeblich durch die inländischen Investitionen und Sparquoten bestimmt ist.
Da die Sparquoten des Staates und der Privathaushalte auf historischen Tiefständen sind und gleichzeitig ein IT-Investitionsboom stattfindet, ist es wenig verwunderlich, dass keine nennenswerte Verbesserung des Handelsdefizits zu beobachten ist. Nur höhere Leitzinsen (= höhere Sparquote der Privathaushalte) und staatliche Sparmaßnahmen könnten für eine signifikante Verbesserung des Handelsbilanzdefizits sorgen.
Die US-Zollpolitik hatte aber einen nennenswerten Einfluss auf die Konsumentenpreise (Mittwoch) und Erzeugerpreise (Donnerstag). So droht ein Anstieg der Inflation auf über 4,0 Prozent im Mai. Der Druck auf die US-Notenbank, den Leitzins anzuheben, dürfte damit steigen. Damit dürfte im Vorfeld der Zwischenwahlen der politische Konflikt um die Zinspolitik eskalieren.
In Deutschland ist schon seit Anfang 2024 ein stetiger Rückgang des Handelsbilanzüberschusses zu beobachten. Erschreckenderweise stagnieren die Exporte seit Ende 2022 nur noch. Der Handelsbilanzüberschuss erodiert also aufgrund der steigenden Importe langsam.
Deutschland ist damit der große Verlierer der neuen Weltordnung, da die US-Zollpolitik vor allem Europa hart trifft, während Asien eher profitiert. Auch leidet die deutsche Industrie unter der hochsubventionierten Konkurrenz aus China. 2024 und 2025 trug der Außenhandel somit jeweils -0,7 Prozentpunkte und -1,5 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum bei und war somit maßgeblich für die deutsche Stagnation verantwortlich.
In China ist eine leichte Tendenz zu steigenden Handelsbilanzüberschüssen zu erkennen. Trotz der hohen US-Zölle konnte China ausreichend Alternativen finden, um ein hohes Exportwachstum zu erzielen. So trug der Außenhandel 2024 und 2025 jeweils mit 1,5 Prozentpunkten kräftig zum Wirtschaftswachstum bei. China verfolgt dabei eine Wirtschaftspolitik der massiven Subventionierung der eigenen Industrie.
Laut einer aktuellen Studie der OECD können ineffiziente chinesische Unternehmen im Außenhandel zunehmend Marktanteile gewinnen und ausländische Industriefirmen verdrängen – aufgrund der massiven Subventionen. Offensichtlich strebt die chinesische Regierung eine globale Monopolstellung Chinas in vielen Industriezweigen aufgrund geopolitischer Machtbestrebungen an. Die Monopolstellung bezieht sich dabei auf das Land. Innerhalb Chinas gibt es zwischen den Unternehmen einen anhaltend ruinösen Wettbewerb.
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