„Private Banking braucht Zeit, Nähe und Gelassenheit“
Marc Schwarzer leitet beim Bankhaus Metzler das Privatkundengeschäft in Berlin und Ostdeutschland. Im Gespräch erklärt er, warum die älteste familiengeführte Privatbank Deutschlands jetzt in der Hauptstadt präsent ist, welche Kunden das Team dort erreichen will und welche Rolle Nachfolgestrategien für das Geschäft spielen.
private banking magazin: Warum hat Metzler die Lietzenburger Straße als Standort in Berlin gewählt?
Marc Schwarzer: Wir wollten einen Ort schaffen, an dem gute Gespräche stattfinden können – zentral gelegen und leicht erreichbar. Viele Berliner fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Hier in unmittelbarer Nähe zum Kurfürstendamm können sie per Bus, U-Bahn und in wenigen Minuten von der S-Bahn direkt zu uns kommen. Gleichzeitig gibt es auch Parkmöglichkeiten. Zudem wollten wir in ein nachhaltiges Gebäude ziehen – in eines der derzeit umweltfreundlichsten in Berlin: energieeffizient gebaut, mit Grünflächen an Fassaden und Dach. Weil es ein Neubau ist, konnten wir außerdem Gestaltung und Atmosphäre selbst bestimmen.
Berlin gilt nicht als klassischer Private-Banking-Standort. Was macht die Stadt für Sie spannend?
Sagen wir, Berlin war schon immer ein Private-Banking-Markt – nur eben anders als andere. Berlin vereint Tradition und Moderne. Die Stadt ist bunt, international, oft nonkonform. Das gilt auch für unsere potenziellen Kundinnen und Kunden. Berlin ist damit vielleicht weniger klassisch, aber gerade das macht den Markt spannend. Dazu kommt: Spätestens seit der Wiedervereinigung hat sich ein mittelständisches Unternehmerumfeld etabliert, das inzwischen eine wichtige Rolle spielt. Neben etablierten Vermögensinhabern gibt es eine wachsende Start-up-Szene und einen dynamischen Mittelstand. Dies sind alles Zielgruppen mit individuellen Bedarfen, die eine persönliche Betreuung suchen.
Welche Rolle spielt die innovative Start-up-Szene für das Private Banking?
Eine große. Die Gründer von heute sind die Unternehmergeneration von morgen. Viele haben nach einem Exit den Wunsch, einen Teil ihres Vermögens verlässlich und langfristig anzulegen – für sich und ihre Familie. Unsere Eigentümer, Elena und Franz von Metzler, sind selbst jung und sprechen deren Sprache. Sie verstehen, was diese Generation antreibt. Gründer bleiben oftmals weiter aktiv, zum Beispiel als Unternehmer und auch als Investor. Sie wollen ihr Vermögen auch deswegen strukturiert managen, um Zeit für Neues zu gewinnen.
Sie sprechen auch von Berlin als Hub. Was meinen Sie damit?
Wir vernetzen in Berlin alle Geschäftsbereiche des Bankhauses: Asset Management, Capital Markets, Corporate Finance und Private Banking. Wenn ein Unternehmer sein Unternehmen verkaufen oder Investoren aufnehmen will, holen wir die Kollegen mit an den Tisch. Wir öffnen Netzwerke und begleiten solche Prozesse als unabhängige Privatbank – ohne die Skalierungslogik großer Institute.
Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Berater auch die nächste Generation der Mandanten erreichen?
Wir begleiten häufig Familien über Generationen hinweg. Bei anstehenden Vermögens- oder Unternehmensnachfolgen beziehen wir die Kinder früh mit ein. Als zertifizierter Nachfolgeplaner lade ich Familien dazu ein, gemeinsam an den Tisch zu kommen – zu Fragen wie: Wann übertragen wir? Welche Strukturen brauchen wir? Welche Erwartungen gibt es? Der größte Fehler ist, sich überhaupt nicht mit dem Thema Nachfolge zu beschäftigen.
Was unterscheidet den Private-Banking-Markt in den neuen Bundesländern?
Es gibt weniger traditionelles Altvermögen, weil private Vermögensbildung vor allem nach der Wende einsetzte. Viele Unternehmer stehen jetzt erstmals vor dem Generationswechsel. Zudem gibt es in der Fläche kaum Privatbanken. Sparkassen ziehen sich teilweise zurück. Unsere Unabhängigkeit ohne externe Aktionäre schafft Ruhe, und das kommt sehr gut an.
Warum betont Metzler in der Kommunikation die Zielgruppe Unternehmer derzeit besonders häufig?
Weil Unternehmergeist Teil unserer DNA ist. Wir sind selber Unternehmer – seit über 350 Jahren. Unternehmer fühlen sich verstanden, wenn Eigentümer selbst unternehmerisch denken. Aber natürlich betreuen wir auch Familien, Gründer, Stiftungen und Institutionen. Der Begriff soll eine Haltung beschreiben, nicht andere ausschließen.
Wie lief der Start in Berlin?
Sehr gut. Wir haben eine Kundenbasis, die seit Jahren wächst. Unsere Kunden sagten uns, dass wir hier vor Ort sein sollten. Seit der offiziellen Eröffnung im Mai bekommen wir viel Zuspruch – sogar spontane Besuche, obwohl man bei uns klingeln muss, um hereinzukommen. Auch die Wahrnehmung in der Stadt wächst, dass Metzler jetzt auch in Berlin ist.
Wie entwickeln Sie Ihr Team weiter?
Wir sind derzeit noch zu dritt. Ab dem zweiten Quartal 2026 sind wir zu fünft. Acht weitere Arbeitsplätze sind bereits vorbereitet. Wir planen langfristig – ohne Quartalsdenken. Entscheidend ist die Persönlichkeit: Integrität, Haltung und ob ein Bewerber menschlich ins Team und zu unseren Kunden passt. Das Recruiting läuft vorausschauend, damit Generationswechsel in den Teams gelingen.
Wird es künftig Standorte in Dresden und Leipzig geben?
Ja, langfristig ist das denkbar. Wichtig ist die regionale Verankerung. Berlin ist jetzt unser Anker in der Region, aber Ostdeutschland bietet Potenzial für eine weitere Präsenz – wenn die Entwicklung und die Kundenstruktur dort es sinnvoll erscheinen lassen.
Spielt eine zunehmende Vielfalt der Kundschaft in Ihrer Personalplanung eine Rolle?
Wir richten die Personalauswahl auf die Charaktere aus – nicht zuletzt Integrität und Vertrauenswürdigkeit, um eine gemeinsame Augenhöhe zu ermöglichen. Herkunft oder Migration spielen keine Rolle. Wichtig ist es, die Sprache der Kunden im übertragenen Sinn zu sprechen: nämlich ihre Lebenssituation zu verstehen. Vielfalt gehört neben Freiheit und Offenheit zu unseren Unternehmenswerten.
Wie erreichen Sie die junge Generation?
Das gelingt uns etwa mit Formaten wie „Metzler Spots". Dabei handelt es sich um eine Gesprächsreihe, adressiert an die Next Gen. Elena und Franz von Metzler sind beide in der Gründer- und Fintech-Community unterwegs. So sprechen wir viele interessante Persönlichkeiten der jungen Generation an. Das bringt Modernität ins Haus und öffnet Türen zu künftigen Kundengenerationen.
Das Interview erschien zuerst im private banking magazin.