Die chinesische Konsumschwäche ist strukturell
Das chinesische Wachstumsmodell ist aufgebaut auf einer Bevorzugung der Industrie auf Kosten der Einkommen der privaten Haushalte und damit des Konsums. Drei Faktoren spielen hierfür eine entscheidende Rolle:
- ein stark unterbewerteter Wechselkurs bedeutet einen preislichen Wettbewerbsvorteil für Exporteure aber hohe Importpreise für Konsumenten
- Künstlich niedrige Zinsen bedeuten Entlastung für die Unternehmen aber niedrige Einnahmen für die privaten Haushalte
- Direkte staatliche Subventionen an Unternehmen bedeuten, dass kein Geld für die üblichen Sozialleistungen übrig ist.
Nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds beträgt eine normale Konsumquote eines normalen Landes etwa 54 Prozent des BIP. In China liegt die Konsumquote dagegen nur bei etwa 36 Prozent des BIP. Das heißt, die Benachteiligung der privaten Haushalte durch die oben genannten drei Faktoren summiert sich auf immense 18 Prozentpunkte des BIP (Die Differenz zwischen 54 und 36 Prozent des BIP). Die unfassbar große Unterstützung des chinesischen Industrie- und Exportsektors erklärt auch den rekordhohen Handelsbilanzüberschuss Chinas von mehr als einer Billionen USD im vergangenen Jahr.
China: Die Rückkehr auf Wachstumskurs scheint einfach
Quellen: Internationaler Währungsfonds, OECD, Metzler; Stand: Februar 2026
Quellen: Internationaler Währungsfonds, OECD, Metzler; Stand: Februar 2026
Quellen: Internationaler Währungsfonds, OECD, Metzler; Stand: Februar 2026
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Anmerkungen: |
Die Analyse des Internationalen Währungsfonds zeigt darüber hinaus, dass China nur etwa 8 Prozent des BIP für Sozialleistungen wie Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung etc. ausgibt, während ein normales Niveau eher bei 16 Prozent des BIP liegt. Die privaten Haushalte müssen daher sparen und selbst vorsorgen, was sehr ineffizient ist.
Gleichzeitig sind die Zinsen so niedrig, dass die privaten Haushalte nur mit einer überproportionalen Sparanstrengung ihre Ziele erreichen können. Vor diesem Hintergrund haben die privaten Haushalte in China eine außergewöhnlich hohe Sparquote von 35 Prozent des verfügbaren Einkommens, während ein Niveau von nur etwa 6 Prozent in entwickelten Volkswirtschaften normal ist.
Eigentlich sollte es für China sehr einfach sein, die Wirtschaftskrise mit folgenden Maßnahmen zu überwinden: Aufwertung des Wechselkurses, Normalisierung des Zinsniveaus sowie Ausbau der sozialen Sicherungssysteme. Die privaten Haushalte müssten dann viel weniger sparen und die Preise für ausländische Konsumgüter würden merklich sinken. Diese Politik würde jedoch mit einer massiven Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit des Industriesektors und einer deutlich steigenden Zahl von Konkursen bei Exportunternehmen einhergehen. Offensichtlich ist es politisch nicht durchsetzbar. Es scheint einfacher, die Konjunktur mit geringen Stimulusmaßnahmen gerade so über Wasser zu halten und Wachstum vor allem durch den Export zu generieren. Die chinesische Wirtschaftskrise wird also in die Welt exportiert und die Konkurse sind dann bei ausländischen Industrieunternehmen zu beobachten. Erst wenn der chinesische Export stockt – weil etwa ausländische Regierungen verstärkt Handelsschranken gegen China verhängen – entstünde ein ausreichend großer Druck auf die chinesische Regierung, die notwendigen Reformen umzusetzen.
Arbeitsmarkt im Fokus
In den USA, der Eurozone und Japan werden in der kommenden Woche die Arbeitsmarktdaten veröffentlicht. In allen drei Wirtschaftsräumen signalisierten die Indikatoren zuletzt eine wirtschaftliche Belebung. Dementsprechend rechnen wir mit tendenziell rückläufigen Arbeitslosenzahlen in allen drei Regionen.
Eine Belebung am Arbeitsmarkt ist in der Regel kein Signal für Leitzinssenkungen. In den USA dürften sich auch die ISM-Indizes im Februar verbessert haben, sodass zumindest aus konjunktureller Sicht unveränderte Leitzinsen eigentlich angemessen erscheinen. Aus politischen Gründen rechnen wir jedoch mit noch zwei Zinsschritten im Juni und September. In Japan wären dringend Leitzinserhöhungen erforderlich, zumal der Aufschwung zunehmend an Dynamik gewinnt, wie unter anderem das Konsumentenvertrauen zeigen dürfte. In der Eurozone dagegen spricht vieles eher für eine abwartende Haltung – auch wenn die Inflation in den kommenden Monaten merklich unter 2,0 Prozent fällt.
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