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Wirtschaftstag 2026: Infrastruktur braucht Kapital und Deutschland endlich größere Versorgungsträger
Deutschlands Infrastruktur ist auf Verschleiß gefahren worden. Schienen, Netze, Energieversorgung, Digitalisierung, soziale Infrastruktur: Der Investitionsbedarf ist offenkundig, die fiskalischen Spielräume des Staates bleiben begrenzt. Das Sondervermögen des Bundes ist ein wichtiger, aber auf Dauer kein hinreichender Schritt. Wer den Investitionsstau wirklich auflösen will, muss sich mit einer unbequemen Frage befassen: Warum gelingt es Deutschland bislang kaum, privates und institutionelles Kapital systematisch für die Modernisierung des Landes zu mobilisieren?
Ein Blick ins Ausland zeigt, dass es anders geht. In Ländern wie dem Vereinigten Königreich werden Infrastrukturvorhaben nicht nur über öffentliche Haushalte finanziert, sondern in erheblichem Umfang auch über spezialisierte Fondsstrukturen. Zu den Investoren zählen inländische Pensionsfonds und Versorgungseinrichtungen, die langfristige Verbindlichkeiten mit langfristigen, planbaren Erträgen zusammenbringen. Infrastruktur ist für solche Anleger ein natürlicher Bestandteil strategischer Vermögensallokation.
Wer den Wirtschaftsstandort stärken will, sollte deshalb Infrastruktur und Altersvorsorge nicht länger getrennt denken.
Deutschland verfügt über erhebliche Spar- und Vorsorgevermögen, doch diese sind zersplittert. Gerade im europäischen und erst recht im globalen Vergleich fällt auf, wie kleinteilig die Landschaft der Versorgungseinrichtungen organisiert ist. Zu viele Träger verwalten zu kleine Vermögen. Das ist ein Strukturproblem. Denn wo kritische Größe fehlt, fehlen häufig auch Spezialisierung, Kapitalmarktexpertise und die Fähigkeit, anspruchsvolle Anlageklassen wie Infrastruktur, Private Markets oder Beteiligungen an Wachstumsunternehmen professionell zu erschließen.
Genau hier liegt die Stärke von Sozialpartnermodellen. Sie schaffen nicht nur neue Wege kapitalgedeckter Vorsorge, sondern vor allem auch neue institutionelle Größenordnungen. Tarifvertragliche Lösungen erfassen große Kollektive, bündeln Beiträge und ermöglichen damit Versorgungsträger, die ein hinreichendes Volumen aufbauen können, um professionell und langfristig zu investieren. Ein solcher Träger sollte nicht auf eine einzelne Branchenlösung beschränkt sein, sondern mehrere tarifvertragliche Modelle administrieren können. Erst durch diese Skalierung entsteht jene organisatorische und finanzielle Schlagkraft, die für anspruchsvolle Allokationen nötig ist.
Am Beispiel des Metzler Sozialpartner Pensionsfonds (MSPF) zeigt sich, welches Potential in Tarifverträgen liegt: Mit dem Tarifvertrag zur AWO Rente erhält die Branche der Gesundheitsvorsorge Zugang zum Sozialpartnermodell in Form der reinen Beitragszusage. Damit eröffnet sich für bis zu 900.000 Berechtigte die Chance auf eine langfristig leistungsstarke Vorsorge. Solche Größenordnungen verändern die Perspektive. Sie stärken nicht nur die betriebliche Altersversorgung, sondern schaffen zugleich auch Investoren, die in der Lage sind, substanzielle Beiträge zur Finanzierung deutscher Infrastruktur zu leisten.
Wer den Wirtschaftsstandort stärken will, sollte deshalb Infrastruktur und Altersvorsorge nicht länger getrennt denken. Deutschland braucht größere Versorgungskollektive, größere Versorgungsträger und damit größere Investitionskraft. Das Sozialpartnermodell bietet genau diese Chance.
Der Beitrag erschien zuerst in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 04.05.26