Mehr Risiko, weniger Spielraum: 2026 gewinnt selektives, defensives Stock-Picking
Ein solides, moderates Wachstum, eine kontrollierte Inflationsentwicklung und fortgesetzte Investitionen in KI- und Cloud-Infrastruktur stützen die Aktienmärkte. Zugleich sind die Bewertungen – insbesondere in den USA – deutlich gestiegen, wodurch sich die Anfälligkeit für Rückschläge erhöht und eine gezielte Titelauswahl erforderlich wird. Ulf Plesmann, Co-Leiter Equities, ordnet im Interview den globalen Aktienmarkt für das Jahr 2026 ein.
Herr Plesmann, wie würden Sie das aktuelle globale Marktumfeld für Aktien zusammenfassen?
Plesmann: Das Umfeld bleibt konstruktiv, aber anspruchsvoller. Weiteres Aufwärtspotenzial hängt maßgeblich von robusten Unternehmensgewinnen, einem intakten KI-Investitionszyklus und einer kontrollierten Inflation ab. Nach den signifikanten Kursgewinnen im letzten Jahr sollten Anleger ihre Risikoneigung sukzessive reduzieren und erwägen, defensivere Marktsegmente stärker zu berücksichtigen.
Schauen wir nach Europa: Welche Faktoren sind 2026 besonders relevant?
Plesmann: Europa hat sich konjunkturell stabilisiert, aber die Gewinnrevisionen zeigen bislang wenig Dynamik. Wir sehen vor allem in fiskalischen Impulsen Katalysatoren: Investitionen in Infrastruktur, Energieversorgung und Verteidigung könnten dem europäischen Aktienumfeld im Jahresverlauf spürbar Rückenwind geben. Zusätzlich könnte der Wegfall der Euro-Aufwertung allein das Gewinnwachstum in Europa um etwa fünf Prozentpunkte erhöhen, sofern die Währungsrelationen stabil bleiben.
Und wie sieht es in den USA aus – hohe Qualität, hohe Erwartungen?
Plesmann: Der US-Markt wird weiterhin durch den strukturellen Trend in den Bereichen KI und Cloud-Infrastruktur getragen. Die Indizes profitieren von den robusten Fundamentaldaten der US-Megacaps. Gleichzeitig sind die Bewertungen hoch und lassen wenig Spielraum für Enttäuschungen. Das macht selektives Stock-Picking mit Fokus auf klare Ertragshebel und belastbare Cashflows zentral.
Abseits der großen Indizes: Wo sehen Sie 2026 selektive Chancen?
Plesmann: Es zeichnen sich zwei Linien ab. Erstens strukturelle Wachstumssegmente entlang des KI-Stacks und zweitens defensivere Beimischungen, insbesondere aus dem Gesundheitssektor. Hier sehen wir Chancen bei Pharma- und Medizintechnikunternehmen. Nach einer Phase relativer Schwäche notiert der Sektor auf historisch attraktiven Bewertungsniveaus.
Herr Plesmann, welche Empfehlung geben Sie Anlegern für das Jahr 2026?
Plesmann: Für 2026 spricht vieles dafür, die Portfoliorisiken behutsam herunterzufahren und eine stärkere Gewichtung defensiver Marktsegmente zu prüfen. Ausschlaggebend ist dabei die gezielte Auswahl von Unternehmen mit belastbaren, strukturell tragfähigen Geschäftsmodellen, die ihre Ertragskraft auch in einem Umfeld moderaten Wachstums steigern können.
Vielen Dank für dieses Gespräch!
Erfahren Sie mehr über wachstumsorientierte globale Aktienstrategien von Metzler Asset Management.
Sprechen Sie uns an
Lassen Sie uns darüber sprechen, wie unsere Wachstumsstrategien in Ihr Portfolio passen – wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.