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Information für professionelle Kunden - 8.11.2021

Peak-Oil versus Net Zero: Nachhaltigkeitsaspekte und Stock-Picking für erfolgreiche Dividendenstrategien

Um die Vorgaben aus dem Pariser Klimaabkommen zu erfüllen und die Erderwärmung auf 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, müssen Staaten und Unternehmen ihre Maßnahmen zum Klimaschutz umgehend verschärfen und umsetzen – sowie miteinander koordinieren. Unternehmen, die Lösungen für den Klimaschutz anbieten, dürften entsprechend profitieren. Zunehmend ins Abseits geraten könnten dagegen Branchen wie Energie und Grundstoffe. Daher werden für Dividendenstrategien, die auf einträgliche Ausschüttungen bauen, Aspekte der Nachhaltigkeit und eine aktive Einzeltitelauswahl immer wichtiger.

IPCC: Das 1,5-°C-Ziel ist kaum noch zu halten

Im neuen Sachstandsbericht des Weltklimarats vom August 2021, dem IPCC-Report, kommunizieren die Wissenschaftler klar, auf wen der Klimawandel zurückzuführen ist: „Es ist ganz eindeutig, dass der Einfluss des Menschen die Atmosphäre, den Ozean und die Landflächen erwärmt hat.“ Um die Erderwärmung auf 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zwischen 1850 und 1900 zu begrenzen, muss der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen auf netto null gesenkt werden. Die Wissenschaftler gehen im IPCC-Report nur im optimistischsten Szenario davon aus, dass das zu schaffen ist. Denn das dafür erforderliche Zeitfenster schließt sich immer weiter. Bleibt der weltweite Ausstoß bei 42 Gigatonnen pro Jahr konstant, wird das Kohlenstoffbudget bereits in knapp acht Jahren aufgebraucht sein, das zum Erreichen einer 1,5-°C- Welt nicht überschritten werden sollte. Das heißt, die Staaten müssen entschieden und sofort handeln, um das Klima zu schützen und die Erderwärmung zu begrenzen. Im mittleren Szenario droht eine Erwärmung von 2–3,5 °C. Und bleiben nachdrückliche Maßnahmen zum Klimaschutz aus, sind bis 2100 rund 5,7 °C höhere Durchschnittstemperaturen zu erwarten.

Beschluss schärferer Maßnahmen auf der Klimakonferenz

Im November 2021 werden sich Vertreter aus den Vertragsstaaten der UNO-Klimarahmenkonvention in Glasgow zur 26. Klimakonferenz treffen. Beobachter erwarten, dass sich – auch aufgrund des Berichts des Weltklimarats – die Staatengemeinschaft zu strikteren Maßnahmen bekennen wird.

Denn klar ist, dass der Klimawandel kein Problem künftiger Generationen in einer fernen Zukunft ist, sondern sich bereits heute mit seinen Wetterextremen weltweit immer stärker bemerkbar macht: Allein in Deutschland folgten auf drei Jahre mit außergewöhnlichen Hitzewellen und Dürre in diesem Jahr Starkregen mit Überschwemmungen, die zahlreiche Menschenleben forderten und Schäden in Milliardenhöhe verursachten. Hitzerekorde von annähernd 50 °C in Kanada und verheerende Waldbrände im Mittelmeerraum und in Kalifornien zeigten eindrücklich, dass es auf einer Welt, deren Durchschnittstemperatur sich im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter bislang um „nur“ 1,2 °C erhöht hat, für den Menschen sehr ungemütlich werden kann.

Sinkt die Förderung fossiler Kohlenstoffe?

Um die CO2-Emissionen bis auf netto null („Net Zero“) im Jahr 2050 zu senken, muss vor allem der Verbrauch fossiler Kohlenstoffe reduziert werden, mit der Folge entsprechend sinkender Fördermengen von Öl und Kohle. Die Annahmen über „Peak Oil“ – das Jahr, in dem die Erdölförderung ihren Höhepunkt erreicht – gehen weit auseinander. Entgegen der landläufigen Meinung, dass dieser Zeitpunkt bereits hinter uns liegen könnte, geht die OPEC davon aus, dass sie ihre Produktionskapazitäten bis 2045 ausweiten wird (s. Abb. 1).

Schätzungen zu „Peak-Oil“ – IEA* versus OPEC
Globale Produktion von Rohöl, in Mio. Barrel pro Tag

Quellen: Internationale Energieagentur, OPEC, Metzler

* Internationale Energieagentur: Das IEA-Szenario für „Business as usual“ (BAU) geht für 2050 von einem Primärenergiebedarf von 16.500 Petajoules aus.

Der Markt für endliche, nicht reproduzierbare Güter spielt nach eigenen Regeln: Wenn einzelne Staaten über unilaterale Klimaschutzmaßnahmen ihren Verbrauch an fossilen Kohlenstoffen senken und zum Beispiel über die Einführung einer CO2-Steuer den Preis drastisch erhöhen, dann sinkt die weltweit aggregierte Nachfrage nicht im gleichen Umfang. Denn die fossilen Kohlenstoffe werden weiter von anderen Abnehmern nachgefragt, und die freigewordene Menge wird zu einem niedrigeren Preis verkauft. Das Angebot bleibt starr. Die geförderte Menge fossiler Kohlenstoffe reagierte bislang kaum auf Veränderungen des Preises (s. Abb. 2).

Elastizität* nahe null
Daten nominiert in Relation zum jeweiligen Mittelwert

Quellen: Internationaler Währungsfonds, Energy Information Administration, Metzler; Stand: Juni 2021

* Elastizität ist ein Maß, das die relative Änderung einer abhängigen Variable auf eine relative Änderung einer ihrer unabhängigen Variablen angibt.

Weitergedacht bedeutet dies, dass der Anreiz für Produzenten in diesem Szenario groß ist, ihre Fördermengen zu erhöhen, um die sinkenden Preise zu kompensieren und weiterhin – so lange wie möglich – kostendeckend zu arbeiten und Gewinne zu erwirtschaften. Ein entsprechendes Überhangangebot sollte folglich zu einem niedrigeren Gleichgewichtspreis führen. Der Klimaschutz könnte auf diese Weise konterkariert werden: Insgesamt sinken die Emissionen nicht, sondern verlagern sich in andere Regionen.

Bildung eines internationalen Clubs für gebündelten Klimaschutz

Ein Ausweg aus dem Dilemma wäre laut Nobelpreisträger William D. Nordhaus, dass sich Industrienationen zusammenschließen und ihren bislang unilateralen Klimaschutz bündeln: Zum Beispiel könnte sich die Runde der G20, die für etwa 75 % des globalen Handelsvolumens verantwortlich ist, zu einem „Klimaclub“ zusammenschließen und neben dem Streben nach Klimaneutralität den Handel mit Dritten ausschließen, falls erforderlich. Nur wer sich den Zielen des Clubs verschreibt, würde in den Handel eingebunden. Ergänzt werden könnte dies durch eine Quellensteuer auf fossile Kohlenstoffe, um die Kapitalanlage entsprechender Umsätze unattraktiv zu machen.

Einen Vorstoß hierzu machte im August 2021 Bundesfinanzminister Olaf Scholz: Er schlug vor, einen internationalen Klimaclub für gemeinsame ökologische Ziele und Standards zu gründen. Der Klimawandel lasse sich nicht national oder europäisch bewältigen. Entscheidend sei die Mitwirkung der USA und Chinas.

Branchen im Abseits: Energie, Grundstoffe und Banken

Verlierer in einem Szenario mit langfristig fallenden Preisen für fossile Kohlenstoffe und sich auf unilateraler Ebene verschärfender Klimapolitik sind vor allem Unternehmen aus den Branchen Energie und Grundstoffe. Zahlreiche Aktien dieser Branchen zählen zu den Dividendentiteln, deren Ausschüttungen lange als fester Bestandteil von Dividendenstrategien galten. Auffällig ist, dass insbesondere die Dividendenattraktivität der Energiebranche bislang kaum von der zyklischen Erholung der Energiepreise seit Anfang 2020 profitiert hat. Ein Grund hierfür liegt zum einen in der wachsenden Schuldenlast entsprechender Unternehmen. Zum anderen werden liquide Mittel dieser Unternehmen immer stärker durch die kapitalintensive Transformation der Geschäftsmodelle gebunden (s. Abb. 3). Jedoch schreitet die Transformation bislang eher schleppend voran und hält nicht Schritt mit der Dynamik aus anderen Branchen, wie die der Versorger.

Verschuldungsgrad und Kapitalintensität
Anstieg in der Energiebranche seit 2005 (in %)

Quellen: FactSet, Refinitiv Datastream, I/B/E/S-Konsens, Metzler; Stand: Juni 2021

Auf Basis von Marktkapitalisierungsgewichten.

Aber auch Banken sind negativ betroffen. Sie haben nicht nur auf der Ertragsseite mit einer langwierigen Neuausrichtung von bisher treibhausgasintensiven Investmentportfolios und Kreditbüchern zu tun. Auch deren Kapitalgeber, vor allem institutionelle Investoren und Staaten, aber auch Zentralbanken, könnten Banktitel künftig verstärkt meiden, weil sie sich selbst klimafreundlicher aufstellen wollen. Dies kann die Refinanzierung der Banken verteuern, was ebenfalls zulasten der Dividende gehen könnte.

Nachhaltigkeitsaspekte für eine erfolgreiche Dividendenstrategie

Die Herausforderung für Asset-Manager besteht darin, langfristige Effekte aus dem Klimaschutz mit einer taktischen Positionierung in den Portfolios zu antizipieren – nur so lassen sich Rendite-Risiko-Verhältnisse entlang des Wirtschaftszyklus stärken. Gelingen kann dies durch eine risikobewusste Einzeltitelauswahl, die auf der Attraktivität von Dividenden aufbaut und in der Nachhaltigkeitsaspekte in der Analyse berücksichtigt werden. Auf Ebene der Einzeltitel sind vor allem solche Unternehmen interessant, die Lösungen in den Bereichen Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Elektromobilität, Wasser- und Biokraftstoffe, Gebäudesanierung sowie Kohlenstoffabscheidung und -speicherung anbieten.

Die Brutto-Überschussrendite eines Beispielportfolios aus 59 europäischen Aktien von Unternehmen, die klimafreundliche Lösungen anbieten und daher stark von Anlegern nachgefragt werden, wird vor allem durch politische Ereignisse getrieben. Allen voran zählen hierzu die UN-Klimakonferenz 2015, der EU-Green-Deal von 2019 und der EU-Recovery-Plan von 2020 (s. Abb. 4).

Beispielportfolio für klimafreundliche Lösungen
Marktkapitalisierungsgewichtete EUR-Bruttoüberschussrendite in %

Quellen: Refinitiv Datastream, Metzler; Stand: Juni 2021

Das Portfolio besteht aus 59 Aktien.

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