Die Szenarien für den Iran-Konflikt
Vier Szenarien für den Iran-Konflikt
Für Wachstum und Inflation zählt weniger die Schlagzeile – entscheidend sind Preisniveau und Dauer der Energie-Störung
Positiv: Deeskalation / US-freundliches Regime im Iran
Öl:
- Rücklauf Richtung 60–70 USD
- Risikoprämie baut sich ab
Makro:
- Disinflation setzt sich fort
- Konsum & Margen stabilisieren sich
Märkte:
- Risk-on: Zyklische Titel & EM profitieren
- Volatilität fällt
Neutral: Störung kurz, aber spürbar
Öl:
- 75–90 USD (temporärer Aufschlag)
- Rückgang in der Folge
Makro:
- Kurzer Inflationsimpuls
- Wachstum nur moderat gedämpft
Märkte:
- Reflexartige Flucht aus Risikoanlagen dann Normalisierung
- Energie relativ stark
Stress: Hormus-Friktion (anhaltende Behinderung)
Öl:
- 90–100 USD (Transport-/Versicherungsfriktionen)
- Engpassrisiko
Makro:
- Inflation "klebriger"
- Realeinkommen sinken
- EZB/Fed im Dilemma
Märkte:
- Breitere Korrektur
- Konsum schwach
- USD tendenziell fest
Negativ: Energieschock (Angriff auf Energieinfrastruktur)
Öl:
- >120 USD
- Physische Knappheit
- Produktions- und Transporttreffer
Makro:
- Stagflationsrisiko
- Rezessionswahrscheinlichkeit steigt in Importregionen
Märkte:
- Risk-off über alle Assets
- Credit-Spreads rauf
Quelle: Metzler
Wir haben vier mögliche Szenarien für den Iran-Konflikt identifiziert. In den vergangenen Tagen ist die Zahl der Raketenangriffe Irans aufgrund der militärischen Maßnahmen der USA und Israels deutlich zurückgegangen. Dennoch erreichen immer noch viele der Shahed-Drohnen ihre Ziele, die wiederum aber weniger Schaden anrichten. Es dürfte noch einige Zeit dauern, bis eine gut funktionierende Drohnenabwehr eingerichtet werden kann.
Das Negativszenario einer größeren Zerstörung der Energieinfrastruktur im Nahen Osten ist somit etwas unwahrscheinlicher geworden. Auch scheint das Positivszenario eines pro-US-Regierungswechsels im Iran wie in Venezuela derzeit eher unwahrscheinlich.
Somit ist es für den Ausblick die entscheidende Frage, wie lange die Straße von Hormus geschlossen bleibt. Je früher sie wieder geöffnet werden kann, desto eher wird das neutrale Szenario eintreten. Verteidigungsexperten rechnen derzeit damit, dass die Straße von Hormus mindestens noch vier bis sechs Wochen geschlossen bleiben wird. In dieser Zeit dürften die Energiepreise hoch bleiben beziehungsweise tendenziell eher steigen. Immerhin gibt es für Saudi-Arabien gute Alternativen, Öl über dem Landweg ans Rote Meer zu transportieren, sodass der Angebotsschock infolge der Schließung der Straße von Hormus etwas abgemildert wird.
Der Energiepreisschock wird Wachstum in den USA, Europa und Asien kosten. Die Weltwirtschaft zeigte jedoch zuletzt eine solide Wachstumsdynamik, sodass ein Rezessionsszenario zwar an Wahrscheinlichkeit gewonnen hat, aber nicht das Basisszenario ist.
Gleichzeitig wird die Inflation ansteigen. Nach unseren Berechnungen könnte die Inflation in der Eurozone in den kommenden sechs bis neun Monaten auf über 3,0 Prozent steigen. Sollten die Inflationserwartungen verankert bleiben und Zweitrundeneffekte ausbleiben, dann dürfte die Inflation wieder zügig in Richtung 2,0 Prozent fallen. Die EZB müsste dann nicht auf den Anstieg der Inflation reagieren.
Die Reaktion der Staatsanleiherenditen auf die Energiepreisentwicklung ist jedoch in dieser Hinsicht bedenklich. Trotz der Turbulenzen am Aktienmarkt sind die Renditen gestiegen – aufgrund höherer Inflationserwartungen. Vor den Erfahrungen der hohen Inflation in den Jahren 2021 und 2022 wären die Staatsanleiherenditen eher gefallen, vor allem aufgrund ihrer Funktion als sicherer Hafen. Das heißt, die Finanzmärkte und die Wirtschaftsakteure reagieren heute viel sensibler auf Inflationsrisiken als noch vor 2021. Dementsprechend könnten auch die Risiken von Zweitrundeneffekten höher als in der Vergangenheit sein.
EZB mit Leitzinserhöhung
Schon seit Jahresanfang prognostizieren wir Leitzinserhöhungen der EZB in diesem Jahr. Der Grund dafür ist der erwartete starke Arbeitsmarkt. So ist im Dezember die Arbeitslosenquote auf ein neues Rekordtief von 6,1 Prozent gefallen. Auch die Industrieproduktion (Freitag) dürfte Erholungstendenzen zeigen.
US-Staatsanleihemarkt mit Outperformance
Seit Beginn des Iran-Konflikts sind die Renditen von US-Staatsanleihen weniger stark gestiegen als in anderen Ländern. Gleichzeitig wertete der US-Dollar auf. Der US-Dollar und US-Staatsanleihen sind immerhin im Vergleich zu anderen Ländern immer noch ein sicherer Hafen. Darüber hinaus profitieren die USA als Energieexporteure von den höheren Energiepreisen.
Aber auch in den USA ist die Inflation (Mittwoch) zu hoch und der Energiepreisschub dürfte die Inflationsdynamik beschleunigen. Vor allem aber ist ungewöhnlicherweise die Inflationsrate des Konsumentenpreisdeflators (Freitag) deutlich höher als die Inflationsrate des Konsumentenpreisindex.
Das Inflationsziel der US-Notenbank basiert jedoch auf dem Konsumentenpreisdeflator und hat dementsprechend ein Problem, Leitzinssenkungen zu rechtfertigen. Interessanterweise preisen die Finanzmärkte immer noch ein bis zwei Leitzinssenkungen ein. Vielleicht ändert die US-Notenbank im Jahresverlauf die Basis für ihr Inflationsziel und nimmt den Konsumentenpreisindex als neue Basis. Damit wären Leitzinssenkungen einfacher zu rechtfertigen. Am Freitag werden zudem die Zahl der offenen Stellen und andere Daten zum Arbeitsmarkt veröffentlicht. Insgesamt dürften sie eine Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt signalisieren.
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