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Werbeinformation der Metzler Asset Management GmbH - 22.5.2026 - Edgar Walk

Wie sind die Perspektiven für den US-Dollar?

Grundsätzlich vertrete ich die These einer strukturellen US-Dollar-Schwäche. Ein erster Grund dafür sind die politischen Entwicklungen in den USA im Hinblick auf die Zollpolitik. Wenn Zölle als Instrument zur Verringerung des Handelsdefizits rechtlich und politisch schwerer einsetzbar werden, rückt der Wechselkurs stärker in den Mittelpunkt. Ein schwächerer US-Dollar wird dann zur naheliegenden Alternative, um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie zu verbessern und das außenwirtschaftliche Defizit zu verringern.

Zweitens spricht vieles dafür, dass wichtige Überschussländer eine Aufwertung ihrer eigenen Währungen zulassen könnten. In Japan wächst der Druck zur geldpolitischen Normalisierung, da die schwache Währung importierte Inflation, steigende Lebenshaltungskosten und höhere Langfristzinsen verstärkt. Auch China scheint eine stärkere Währung zu akzeptieren, um Wechselkurskonflikte mit den USA zu vermeiden. Darüber hinaus hat Taiwan einen Leistungsbilanzüberschuss von etwa 25 Prozent des BIP im ersten Quartal erzielt – bei anhaltend schwacher Währung.

Problematisch ist jedoch, dass eine geordnete Dollarabwertung heute schwerer zu organisieren wäre als in früheren Phasen. Das Vertrauen zwischen den großen Wirtschaftsräumen ist geschwächt, internationale Koordinierungsformate wirken blockiert, und geopolitische Spannungen belasten die Rolle der USA als verlässlicher Anker der Weltordnung. Für eine Reservewährung zählt nicht nur Liquidität, sondern auch institutionelle Glaubwürdigkeit.

Drittens kommt ein geldpolitisches Risiko hinzu. Eine Dollarabwertung kann importierte Inflation verstärken. Wenn zugleich politischer Druck auf die Zentralbank entsteht, die Zinsen zu senken, könnten die langfristigen US-Zinsen steigen. Die Staatsverschuldung und die Staatsdefizite befinden sich in einer gefährlichen Dynamik, und ohne Sparmaßnahmen können nur niedrige Leitzinsen die Verschuldungsdynamik einigermaßen unter Kontrolle halten. Dann wäre die Dollar-Schwäche nicht Ausdruck kontrollierter Anpassung, sondern Zeichen schwindenden Vertrauens.

Die strukturelle Schwäche des US-Dollars beruht somit auf drei Faktoren: Erstens dem begrenzten Spielraum für Zölle und dem politischen Wunsch nach einer Korrektur des Handelsdefizits, zweitens auf der möglichen Aufwertung asiatischer Währungen und drittens auf dem Verlust institutioneller Glaubwürdigkeit aufgrund hoher Staatsschulden.

Der US-Dollar könnte schwächer werden, weil die USA es wollen. Er könnte aber noch stärker unter Druck geraten, wenn die Märkte den Eindruck gewinnen, dass diese Schwächung nicht kontrolliert, sondern politisch erzwungen wird.

US-Dollar stabil seit Mitte 2025
Index des US-Dollars gegenüber einem Korb der wichtigsten Währungen

Quellen: Bloomberg, Metzler; Stand: 18.5.2026

Tatsächlich entwickelt sich der US-Dollar aber gegenüber einem Währungskorb entwickelter Volkswirtschaften seit Sommer 2025 stabil. Nur im ersten Halbjahr 2025 zeigte er deutliche Schwächetendenzen – im Gegensatz zur US-Dollar-Schwäche gegenüber den Währungen der Schwellenländer –, wie vergangene Woche gezeigt. Seit Beginn des Iran-Konflikts ist sogar eine gewisse US-Dollar-Stärke zu beobachten.

Die USA sind Netto-Energieexporteur und haben einen inländischen Überschuss an Erdgas. Sie profitieren also per Saldo von der Energiekrise. Darüber hinaus hält der KI-Boom ungebrochen an. Dementsprechend sind in den USA überwiegend gute Konjunkturdaten zu beobachten, bei einem gleichzeitigen Anstieg der Inflation (Konsumentenpreisdeflator im April, Donnerstag). Die Märkte preisen auch schon Leitzinserhöhungen der US-Notenbank ein.

Im Gegensatz dazu trifft die Energiekrise Europa hart und die Konjunkturdaten haben sich merklich verschlechtert, bei gleichzeitig steigender Inflation. In der kommenden Woche dürfte es einen empfindlichen Rückgang beim europäischen Geschäftsklimaindex (Donnerstag) und Signale eines negativen Kreditzyklus (Freitag) geben. Das europäische Stagflationsszenario schwächt die eigenen Währungen. Wir können uns vorerst eine anhaltende Schwäche des Euro und der anderen europäischen Währungen gegenüber dem US-Dollar vorstellen.

Asien ist zwar auch von dem Energieschock getroffen, es gibt jedoch viele Länder, die die Hardware für den US-amerikanischen KI-Boom produzieren und somit selbst boomen. Die Währungen dieser Länder sind jedoch schon stark unterbewertet, sodass wenig Abwärtspotenzial gegenüber dem US-Dollar besteht.

Der Trend einer strukturellen US-Dollar-Schwäche findet also differenziert statt. Er ist schon gegenüber den Schwellenländern zu beobachten, er könnte gegenüber Asien nach der Öffnung der Straße von Hormus beginnen, während der US-Dollar gegenüber europäischen Währungen vorerst Stärke zeigen dürfte.

Edgar Walk
Edgar Walk

Chefvolkswirt , Metzler Asset Management

Edgar Walk arbeitet seit 2000 bei Metzler. Als Chefvolkswirt im Bereich Asset Management ist er für die volkswirtschaftlichen Prognosen verantwortlich. Aufgrund seiner engen Zusammenarbeit mit dem Portfoliomanagement liegt sein Fokus neben der volkswirtschaftlichen Analyse verstärkt auf Kapitalmarktthemen. Vor seiner Anstellung bei Metzler studierte Herr Walk in Tübingen Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Regionalstudien Ostasien und Japan. Zur Vertiefung seiner Studien verbrachte er ein Auslandssemester an der Doshisha-Universität in Kyoto (Japan). Am Institut für Weltwirtschaft in Kiel absolvierte er anschließend den Aufbaustudiengang „Advanced Studies in International Economic Policy Research“.

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