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Werbeinformation der Metzler Asset Management GmbH - 6.2.2026 - Edgar Walk

Die Bedeutung der Wahl in Japan für die Finanzmärkte

Liz Truss Moment in Japan?

Politisch wie ökonomisch ist die vorgezogene Wahl am Sonntag ein kalkulierter Schritt: Premierministerin Takaichi versucht, hohe persönliche Zustimmungswerte in ein belastbares Mehrheitsmandat zu verwandeln – und damit ihren Handlungsspielraum für eine fiskalisch aktivere Politik zu vergrößern.

Ein klarer Wahlsieg würde die Umsetzung einer Agenda beschleunigen, die sie bereits in ihrer Grundsatzrede angedeutet hat. Im Zentrum steht erstens eine spürbare Entlastung mittlerer und niedriger Einkommen. Zweitens will sie die Industriepolitik stärker bündeln: Geplant sind „strategische Investitionen“ als Kern einer neuen Wachstumsstrategie – ausdrücklich in Zukunftsfeldern wie Künstliche Intelligenz und Halbleiter, Cybersecurity, Quantum Computing, Biotechnologie, Luft- und Raumfahrt sowie Schiffbau. Ergänzt werden soll dies durch mehr Förderung für Start-ups, Forschung & Entwicklung, Talentaufbau und Standardsetzung. Drittens setzt Takaichi in der Energieversorgung auf Kernenergie und neue Technologien. Viertens will sie in der Verteidigungspolitik das 2-Prozent-Ziel früher erreichen und zugleich die zentralen sicherheitspolitischen Grunddokumente überarbeiten.

Bemerkenswert ist, wie stark allein schon im Vorfeld der Wahl die Finanzmärkte reagiert haben: Eine „Takaichi-Trade“-Dynamik hat eingesetzt – Aktien legten zu, der Yen gab nach, und am Anleihemarkt stiegen die Renditen. In Summe spiegelt die Marktreaktion damit höhere Wachstumserwartungen, zugleich aber die Sorge, dass eine politisch-motivierte, zu lockere Geldpolitik mittelfristig eine hohe Inflation verursachen könnte.

Es ist unsere These, dass die Geldpolitik in Japan viel zu locker ist. Die erwarteten Erträge in der Realwirtschaft und am Immobilienmarkt, abgeleitet aus dem Trendwachstum des nominalen BIPs, liegen deutlich über den Kreditkosten approximiert durch den Leitzins. Es ist somit weniger attraktiv zu sparen und sehr attraktiv Kredit aufzunehmen. Im Dezember beschleunigte sich die Wachstumsrate der Kreditvergabe (Montag) schon auf 4,4 Prozent – den höchsten Wert seit Erhebung der Daten 1993. Die demografische Entwicklung und die gute Konjunktur sollten zudem dafür sorgen, dass auch langsam die Lohndynamik (Montag) anspringt. Japan ist zurück in einem inflationären Umfeld und sollte eigentlich nicht riskieren, dass die Inflation perspektivisch zu stark steigt.

Ein Wahlsieg von Premierministerin Takaichi dürfte somit für steigende Renditen von lang laufenden Staatsanleihen am Montag sorgen – in einem gewissen Sinne vergleichbar mit der Renditeentwicklung in Großbritannien unter Liz Truss im Herbst 2022, aber viel weniger dramatisch. Das höhere Renditeniveau in Japan bedeutet, dass japanische institutionelle Anleger in einem sehr langsamen, aber stetigen Prozess weniger Gelder im Ausland anlegen und teilweise sogar Gelder nach Japan zurückholen. Die Folge ist ein langsamer und stetiger Renditeanstieg in den USA und in Europa, der bei einem Wahlsieg von Takaichi noch weitergehen kann.

Steigende Rendite japanischer Staatsanleihen ziehen US-Renditen mit nach oben
Rendite 10-jähriger Staatsanleihen

Quellen: Fred Economic Data, Metzler; Stand: 5.2.2026

Im Gegensatz dazu sind die sogenannten „Carry-Trades“ nicht von der Entwicklung lang laufender Staatsanleihen abhängig. In der Regel wird nur von ein bis drei Monaten ein Yen-Kredit aufgenommen, um dann in höherrentierliche Anlagen im Ausland zu investieren. Solange die Bank von Japan an ihrer extrem lockeren Geldpolitik festhält und den Leitzins nur in einem Schneckentempo anhebt, besteht keine Gefahr für eine plötzliche Umkehr des „Carry-Trades“.

USA: Inflation ist politisch

Für US-Präsident Donald Trump sind die Zwischenwahlen im November das mit Abstand wichtigste politische Ereignis des Jahres. Er will daraus zwingend als Sieger hervorgehen. Nicht nur, um die Mehrheitsverhältnisse im Kongress zu seinen Gunsten zu verschieben, sondern vor allem, um seinen Einfluss auf die Republikanische Partei über das Ende seiner Amtszeit hinaus abzusichern. Eine Niederlage hingegen würde ihn politisch empfindlich schwächen: In Washington wäre er rasch auf den Status einer „Lame Duck“ reduziert.

Genau hier liegt derzeit sein Problem. Die Umfragewerte bröckeln – auch, weil in der Bevölkerung der Eindruck wächst, dass der Alltag spürbar teurer geworden ist und viele Güter sowie Dienstleistungen weniger erschwinglich sind. Damit erhalten die Inflationsdaten bis zu den Zwischenwahlen eine politische Sprengkraft, die über klassische Konjunkturdiagnostik hinausgeht: Sie werden zum Gradmesser für wirtschaftliche Glaubwürdigkeit und damit für Mobilisierung und Stimmung an der Wahlurne.

Ein wichtiger Frühindikator für den Preisdruck – zusammengesetzt aus der Preiskomponente des ISM-Dienstleistungsindex sowie den Preiserhöhungsabsichten kleiner und mittlerer Unternehmen aus der NFIB-Umfrage – signalisierte in den vergangenen Monaten: Die Preispläne der Unternehmen hätten historisch eher zu einer Inflationsrate von rund 4,0 Prozent gepasst.

US-Zollpolitik wirkt wie ein stagflationärer Schock – Inflation steigt
Verbraucherpreisindex in % ggü. Vj. und Index der Preisumfragen in Standardabweichung

Quellen: Fred Economic Data, Metzler; Stand: 31.1.2026

Die Preiskomponente des ISM-Dienstleistungsindex für Januar liegt bereits vor – und sie ist sichtbar angesprungen. Der Januar-Wert der NFIB-Umfrage wird hingegen erst am kommenden Dienstag veröffentlicht. In der obigen Darstellung wurde für Januar zunächst ein unveränderter NFIB-Wert unterstellt. Das ist auch deshalb relevant, weil der NFIB-Index noch vor den Inflationszahlen am Mittwoch erscheint und damit kurzfristig die Markterwartungen und die politische Erzählung mitprägen kann.

Für Trump ist die wirtschaftliche Zielmarke damit klar: fallende Inflationsraten bei zugleich steigenden Löhnen. Nur eine solche Kombination verbessert die Chancen der Republikaner, weil sie den Kaufkraftverlust dämpft, die Stimmung stabilisiert und den Druck von der Regierung nimmt.

Neben den Inflationsdaten werden in den kommenden Tagen weitere Konjunktur- und Aktivitätsindikatoren im Fokus stehen: die Einzelhandelsumsätze (Dienstag), der Index der Arbeitskosten (Dienstag) sowie die Verkäufe bestehender Wohnimmobilien (Donnerstag). Aktuell deutet wenig auf größere Überraschungen hin, doch gerade in einem politisch aufgeladenen Umfeld können bereits moderate Abweichungen reichen, um Narrative zu drehen und Erwartungen neu zu justieren.

Edgar Walk
Edgar Walk

Chefvolkswirt , Metzler Asset Management

Edgar Walk arbeitet seit 2000 bei Metzler. Als Chefvolkswirt im Bereich Asset Management ist er für die volkswirtschaftlichen Prognosen verantwortlich. Aufgrund seiner engen Zusammenarbeit mit dem Portfoliomanagement liegt sein Fokus neben der volkswirtschaftlichen Analyse verstärkt auf Kapitalmarktthemen. Vor seiner Anstellung bei Metzler studierte Herr Walk in Tübingen Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Regionalstudien Ostasien und Japan. Zur Vertiefung seiner Studien verbrachte er ein Auslandssemester an der Doshisha-Universität in Kyoto (Japan). Am Institut für Weltwirtschaft in Kiel absolvierte er anschließend den Aufbaustudiengang „Advanced Studies in International Economic Policy Research“.

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