Ausblick auf das 1. Quartal: Renditen seitwärts, Aktien mit Potenzial
Rentenmärkte: Zinssenkungen in Europa unwahrscheinlich, Staatsschuldendynamik in den USA weiter problematisch
Das Jahr 2025 war kein gutes Jahr für den Staatsanleihemarkt. So erlitten Anleger mit einem Portfolio aus deutschen Staatsanleihen im Jahr 2025 einen Verlust von 1,5 Prozent und erzielten mit Staatsanleihen aus der Eurozone lediglich ein kleines Plus von 0,6 Prozent, wie aus den Indizes von ICE BofA hervorgeht. Im Vergleich dazu betrug die durchschnittliche jährliche Wertentwicklung von deutschen Staatsanleihen von 1998 bis 2025 knapp 3,0 Prozent pro Jahr und von Staatsanleihen aus der Eurozone etwa 3,4 Prozent. Der Unternehmensanleihemarkt bot dagegen ein freundlicheres Bild: Unternehmensanleihen mit einem Investment-Grade-Rating erzielten 2025 einen Wertzuwachs von 3,0 Prozent und High-Yield-Anleihen von 5,1 Prozent. Damit erzielten beide Anlageklassen Werte nahe dem historischen Durchschnitt von etwa 3,6 Prozent pro Jahr bei Unternehmensanleihen mit einem Investment-Grade-Rating und von 5,0 Prozent bei High-Yield-Anleihen – jeweils laut ICE BofA-Indizes von 1998 bis 2025. Der Grund für die schlechte Wertentwicklung von deutschen Staatsanleihen waren die erheblich verbesserten Wachstumsperspektiven dank der geplanten höheren Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Die Finanzmärkte preisten vor diesem Hintergrund weniger Leitzinssenkungen der EZB ein, was einen Anstieg der Renditen von Staatsanleihen zur Folge hatte. Die verbesserten Wachstumsperspektiven sorgten jedoch auch dafür, dass die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen sanken.
In unserem Basisszenario für 2026 rechnen wir mit nur wenig Bewegung am Staatsanleihemarkt: Zum Jahresende 2026 dürfte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen unserer Prognose zufolge bei 3,0 Prozent liegen und die Rendite von zehnjährigen US-Staatsanleihen bei 4,5 Prozent. Dabei erwarten wir eine Leitzinserhöhung der EZB im Dezember, während die US-Notenbank den Leitzins im Jahresverlauf in zwei Schritten auf 3,1 Prozent senken dürfte. Es gibt zwei Szenarien für fallende Staatsanleiherenditen: Einerseits könnte der KI-Boom in den USA überraschend enden oder es könnte zu Problemen bei „Private Debt“ oder „Leveraged Loans“ kommen. Dies hätte einen stark disinflationären Impuls zur Folge, der deutliche Leitzinssenkungen beider Zentralbanken und deutlich niedrigere Renditen von Staatsanleihen nach sich ziehen würde. Es gibt auch ein Szenario für steigende Staatsanleiherenditen: Sollte die Inflation in den USA oder in Deutschland aufgrund der lockeren Fiskalpolitik überraschend hoch ausfallen, könnten die Renditen von Staatsanleihen vor dem Hintergrund der hohen Staatsschulden und -defizite erheblich steigen.
Aktienmärkte: Nach starkem Aktienjahr mit Rückenwind gestartet - KI-Boom, Kredit- und Staatsanleiheblock als Risiken
Das Jahr 2025 war ein gutes Jahr für die globalen Aktienmärkte. Der MSCI World verzeichnete ein Plus von etwa 19 Prozent, der MSCI Europa von etwa 21 Prozent und der MSCI Schwellenländerindex von etwa 32 Prozent – jeweils in lokaler Währung. Dabei hatte es Anfang April, nach den überraschend heftigen Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump, nicht so ausgesehen, als würde das Jahr an den internationalen Börsen positiv verlaufen. Der Zollschock löste erhebliche Kurskorrekturen von zehn Prozent und mehr an vielen Aktienmärkten weltweit aus. In der Folge machte US-Präsident Donald Trump jedoch einen Rückzieher und verfolgte eine eher aktienmarktfreundliche Politik. Darüber hinaus weckten der KI-Boom und die positive Gewinnentwicklung der Technologieaktien die Fantasie der Anleger. Schließlich wirkten auch noch die Leitzinssenkungen der US-Notenbank positiv auf die internationalen Aktienmärkte.
Wir sehen gute Chancen für ein positives Aktienjahr 2026. Eine stabile Weltwirtschaft mit einem Wachstum von etwa 3,3 Prozent, stabile Inflationsraten und weitere Leitzinssenkungen der US-Notenbank bilden die Basis für diese Einschätzung. Die Wahrscheinlichkeit für ein negatives Aktienjahr beziffern wir auf 30 Prozent – doppelt so hoch wie gewöhnlich, aber immer noch geringer als die Wahrscheinlichkeit des Positivszenarios. Wir sehen dabei drei Risiken für den Aktienmarkt: Der KI-Boom könnte überraschend zu einem Ende kommen, da sich die mit den hohen Investitionsausgaben verbundenen Ertragserwartungen nicht materialisieren. Es könnte zu Problemen im Kreditzyklus kommen, da dieser bei „Private Debt“ und „Leveraged Loans“ überhitzt zu sein scheint. Turbulenzen an den Staatsanleihemärkten infolge überraschend hoher Inflationsdaten, hoher Staatsschulden und -defizite könnten auftreten. Vor diesem Hintergrund könnte das Thema Wertsicherung in 2026 wieder eine größere Rolle spielen. Nach unseren Berechnungen dominiert das Thema „Künstliche Intelligenz“ die Wertentwicklung von US-Aktien. Der US-Aktienmarkt bietet also keine gute Diversifikation mehr über viele Branchen hinweg. Außerhalb des Themas Technologie haben europäische und US-amerikanische Aktien in den vergangenen Jahren eine vergleichbare Gewinnentwicklung verzeichnet, europäische Aktien sind aber geringer bewertet. Darüber hinaus verfolgt die Bank von Japan eine Geldpolitik der Finanzpreisinflation, sodass auch japanische Aktien attraktiv erscheinen. Die große Herausforderung für das Jahr 2026 wird also darin bestehen, ein international gut diversifiziertes Portfolio mit einer attraktiven Bewertung zu konstruieren.
Konjunktur Eurozone: Höheres Wachstum, steigende Kaufkraft und sinkende Arbeitslosigkeit voraus
Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone dürfte sich im vierten Quartal belebt haben. So stehen die bisher veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes beispielsweise mit einem Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent zum Vorquartal im Einklang. Die verbesserte Konjunkturdynamik zeigt sich auch schon am Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote fiel von 6,4 Prozent im Oktober auf 6,3 Prozent im November. Der historische Tiefpunkt von 6,2 Prozent wurde im November 2024 erreicht. Für das Jahr 2026 erwarten wir eine merkliche Beschleunigung des Wirtschaftswachstums in der Eurozone auf 1,5 Prozent. Impulse hierfür werden von den vergangenen Leitzinssenkungen der EZB und von den höheren deutschen Staatsausgaben erwartet. Aber auch der Konsum könnte einen entscheidenden Wachstumsbeitrag liefern. Bereits 2025 zeigte er erste Lebenszeichen mit einem Wachstum von etwa 1,3 Prozent. Im Jahr 2026 könnte sich das Konsumwachstum auf über 1,5 Prozent beschleunigen, da wir aufgrund der guten Konjunktur mit einem Rückgang der Arbeitslosenquote im Jahresverlauf auf unter 6,0 Prozent rechnen. Gleichzeitig dürfte die Inflation in den kommenden Monaten auf etwa 1,6 Prozent fallen, sodass sich die Konsumenten über reale Einkommenszuwächse freuen können. Zudem war die Sparneigung in den vergangenen Jahren ungewöhnlich hoch – es besteht also noch aufgestaute Konsumnachfrage. Vor diesem Hintergrund ist es erfreulich zu beobachten, dass sich das Konsumentenvertrauen langsam verbessert. Solange sich die Konjunkturdaten leicht verbessern, dürfte die EZB trotz der fallenden Inflation an ihrem Leitzins von 2,0 Prozent festhalten. Das Risiko besteht, dass eine fallende Arbeitslosenquote die Lohndynamik im Jahresverlauf beschleunigt und somit in 2027 zu einer höheren Inflation beiträgt. Vor diesem Hintergrund besteht sogar eine nennenswerte Wahrscheinlichkeit, dass die EZB im Dezember den Leitzins erhöht, um die Inflationsrisiken im Jahr 2027 zu reduzieren. Dabei wird aber auch die Entwicklung des US-Dollar-Wechselkurses eine entscheidende Rolle spielen. Sollte der US-Dollar aufgrund politischer Angriffe auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank merklich zum Euro abwerten, bestünde natürlich kein Spielraum für Leitzinserhöhungen der EZB.
Konjunktur USA: Trump muss die Wirtschaft bis zu den Midterm-Wahlen in Schwung bringen
Die Zwischenwahlen im November 2026, die sogenannten Midterms, werfen schon jetzt ihre Schatten voraus. Die Zustimmungsraten von US-Präsident Donald Trump sinken aufgrund hoher Lebenshaltungskosten und eines schwachen Arbeitsmarktes.
Derzeit wird bei Polymarket eine Wahrscheinlichkeit von 79 Prozent gepreist, dass die Demokraten die Mehrheit der Sitze im Repräsentantenhaus gewinnen werden – und eine Wahrscheinlichkeit von nur 65 Prozent, dass die Republikaner die Mehrheit im Senat behalten. Polymarket ist eine Prognose- bzw. Vorhersageplattform (Prediction Market). Dort können Nutzer ihre Einschätzungen abgeben, wie sich reale, klar überprüfbare Ereignisse entwickeln werden. Typischerweise handelt es sich um Fragen, die mit „Ja“ oder „Nein“ zu einem Stichtag beantwortet werden müssen, daraus lassen sich dann Wahrscheinlichkeiten berechnen.
US-Präsident Trump möchte jedoch die Mehrheit in beiden Häusern behalten und als klarer Gewinner der Wahl hervorgehen. Damit könnte er dann nach seiner Amtszeit als „Übervater der Republikaner“ gelten und hätte weiterhin großen Einfluss auf die Politik – und auch auf die Ernennung der republikanischen Kandidaten für das Amt des Präsidenten. US-Präsident Trump hat kaum eine Möglichkeit, die hohen Lebenshaltungskosten zu reduzieren, da sinkende Preise nur in einer Wirtschaftskrise zu beobachten sind. Er kann natürlich regulatorisch eingreifen, beispielsweise über eine Beschränkung der Kreditzinsen auf maximal 10 Prozent. Zudem versucht er die Energiepreise zu reduzieren, da sie einen großen Einfluss auf die „gefühlte“ Inflation der Bevölkerung haben.
All dies dürfte aber nicht für einen Stimmungsumschwung reichen. Dazu wäre eine merkliche Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt nötig. Hier können nur Leitzinssenkungen der US-Notenbank und fiskalische Impulse, wie Geldgeschenke an die Bevölkerung, die dafür notwendigen Impulse liefern.
Wir erwarten einen anhaltend großen politischen Druck auf die US-Notenbank, der die Fed noch zu zwei Leitzinssenkungen in diesem Jahr zwingen dürfte. Die Teilnehmer an den Finanzmärkten erwarten noch zwei Schritte. Darüber hinaus sehen wir eine große Wahrscheinlichkeit, dass US-Präsident Trump im Vorfeld der Midterm-Wahlen die Staatsausgaben erhöhen wird. Die Folge wäre ein noch größeres Staatsdefizit. Nur Turbulenzen am Staatsanleihemarkt könnten US-Präsident Trump davon abhalten – ein schwächerer US-Dollar-Wechselkurs oder ein steigender Goldpreis würden ihm dagegen kaum Sorgen bereiten. Er wird also alles unternehmen, um die Konjunktur bis November in Schwung zu bringen. Neben steigenden Staatsanleiherenditen zählen zu den Risikoszenarien, die US-Präsident Trump einen Strich durch die Rechnung machen könnten, Probleme im Kreditzyklus – insbesondere bei „Private Debt“ oder „Leveraged Loans“ – ebenso wie ein überraschendes Ende des KI-Booms.
Konjunktur Asien: Japans vorgezogene Wahl zielt auf Investitionsschub, Chinas Unterbewertung treibt Rekordüberschüsse
Premierministerin Sanae Takaichi steuert Japan auf eine vorgezogene Unterhauswahl zu: Das Parlament soll nach Angaben aus dem Regierungslager kurz nach Beginn der ordentlichen Sitzungsperiode am 23. Januar 2026 aufgelöst werden, als Wahldatum gilt der 8. Februar 2026. Ökonomisch ist dies der Versuch, hohe persönliche Zustimmungswerte in ein stabiles Mehrheitsmandat zu übersetzen – und somit den Spielraum für eine fiskalisch aktivere Politik zu vergrößern. Gewänne Takaichi eine klare Mehrheit, würde sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Agenda beschleunigen, die sie bereits in ihrer Grundsatzrede skizziert hat: Die mittleren und niedrigeren Einkommen spürbar entlasten und die Industriepolitik forcieren. Takaichi will einen „Council for Japan’s Growth Strategy“ ins Leben rufen und strategische Investitionen als Kern der Wachstumsstrategie definieren – ausdrücklich in Bereichen wie künstliche Intelligenz und Halbleiter, Cybersicherheit, Quantencomputing, Biotechnologie, Luft- und Raumfahrt sowie Schiffbau, flankiert durch Förderung von Start-ups, F&E, Talentaufbau und Standardsetzung. In der Energieversorgung setzt Takaichi auf Kernenergie und neue Technologien. In der Verteidigungspolitik will sie das 2-Prozent-Ziel früher erreichen und zugleich die sicherheitspolitischen Grunddokumente überarbeiten. Allein die Spekulation auf eine Wahl – und auf ein stärkeres Mandat – hat eine markante „Takaichi-Trade“-Dynamik ausgelöst: Aktien stiegen, der Yen schwächte sich ab, und am Anleihemarkt spiegelten höhere Renditen die Sorge wider, dass zusätzliche politische Durchsetzungskraft in mehr fiskalische Expansion münden könnte. Insgesamt spiegelt diese Reaktion an den Finanzmärkten die verbesserten Wachstumsperspektiven bei einer gleichzeitig zu lockeren Geldpolitik wider.
Chinas ohnehin schon unbalancierte Wirtschaft verschlechterte sich im zweiten Halbjahr 2025 weiter. Das ausstehende Kreditvolumen an private Haushalte verzeichnete einen ungewöhnlich hohen absoluten Rückgang und die Abwärtsdynamik am Immobilienmarkt hielt an. Der Konsum blieb vor diesem Hintergrund schwach. Im Gegensatz dazu brummte der Export. China erzielte 2025 einen Exportüberschuss von etwa 1,2 Billionen USD. Ein Grund dafür ist die starke Unterbewertung des chinesischen Wechselkurses von etwa 30 Prozent, die chinesischen Unternehmen einen erheblichen Wettbewerbsvorteil gewährt. Interessanterweise gibt es bisher nur wenig Gegenwehr von den Ländern, die eine erhebliche Zunahme von Importen aus China verzeichnen. Auch im Jahr 2026 dürfte der chinesische Exportmotor wieder laufen und für Wachstumsimpulse sorgen. Der Handelsbilanzüberschuss dürfte damit neue Rekorde erreichen. Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass die chinesische Regierung die Binnennachfrage stärken möchte. Die spannende Frage ist: Wann wird der Schmerzpunkt erreicht, ab dem die Regierung einen stärkeren Stimulus setzt?
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