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Information für professionelle Anleger - 23.7.2026

„Ein systematisches Instrument zur Steuerung von Klimazielen wird unverzichtbar“

Über das neue Klima-Overlay von Metzler Asset Management, die Herausforderungen institutioneller Investoren bei Klimastrategien – und die Frage, wie sich die Dekarbonisierung von Kapitalanlagen konkret umsetzen lässt – darüber sprachen wir mit Torsten Pries, Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland, und Philip Schätzle, Geschäftsführer Metzler Asset Management GmbH.

Herr Schätzle, Klimastrategien haben sich am Markt etabliert. Warum ist nun zusätzlich ein „Klima-Overlay“ nötig?
Philip Schätzle: Viele Investoren haben den grundsätzlichen Wunsch, ihre Kapitalanlagen an den Klimazielen ihrer Organisation auszurichten. Die Herausforderung liegt in der  konkreten Umsetzung, insbesondere bei komplexen Masterfonds-Strukturen. Genau hier setzt unser Klima-Overlay an: Es schafft einen passgenauen Rahmen, um Klimaziele systematisch zu definieren, zu steuern und zu überwachen.

Herr Pries, Sie haben das Klima-Overlay bereits implementiert. Was war für Sie ausschlaggebend?
Torsten Pries: Ausgangspunkt waren die Klimaziele der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Die Nordkirche hat in ihrem Kirchengesetz zur Förderung des Klimaschutzes 2015 festgelegt, dass sie für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung eintritt, daher sieht sie sich zum Schutz des Klimas und zur Begrenzung der nachteiligen Folgen des Klimawandels verpflichtet. Es stellte sich also die Frage, wie sich diese Ziele konkret auf unsere Kapitalanlage übertragen lassen. 

Hinzu kamen operative Herausforderungen, die eine verlässliche Messung der Zielerreichung in unseren Masterfonds erschwerte. Jeder Segmentmanager arbeitete mit eigenen Daten und Methoden. Das beeinträchtigte die Vergleichbarkeit und die einheitliche  Steuerung der Segmente. Das Klima-Overlay hat uns dabei geholfen, diese Probleme zu lösen.

Herr Schätzle, wie genau funktioniert dieser Ansatz?
Schätzle: Am Anfang steht ein strukturierter Prozess zur Zieldefinition. Wir erfassen die individuellen Vorgaben unserer Kunden – häufig sind das allgemein formulierte Klimaziele – und schlagen messbare Steuerungsgrößen für die verschiedenen Anlageklassen vor. Entscheidend dabei ist, realistische Ziele und klare Handlungsoptionen zu definieren. 

Und wie lassen sich diese Ziele operativ umsetzen?
Schätzle: Im nächsten Schritt integrieren wir diese Ziele, etwa mandatsspezifisch gerechnete Dekarbonisierungspfade, in die Managementprozesse der Segmentfonds. Das kann verbindlich geschehen, durch klare Vorgaben und Toleranzgrenzen in den Anlagerichtlinien, oder unverbindlicher zur Orientierung. 

Pries: Wir haben uns für sehr präzise Vorgaben entschieden, die konsequent auf unser übergeordnetes Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045 ausgerichtet sind. Das schafft Klarheit gegenüber den Segmentmanagern und sorgt für Verbindlichkeit.

Ein Stichwort, das häufig fällt, ist Datenkonsistenz. Warum ist das so zentral?
Schätzle: Unterschiedliche Datenquellen und Berechnungsmethoden können zu inkonsistenten Ergebnissen führen. Deshalb stellen wir im Rahmen des Klima-Overlays eine einheitliche Klimadatenbasis bereit. Alle Manager greifen auf dieselben Kennzahlen zurück. Das ist unseres Erachtens eine Grundvoraussetzung für die Vergleichbarkeit und effektive Steuerung der Mandate.

Torsten Pries, Dezernat Finanzen der Evangelisch-Lutherischen Kirche Norddeutschland und Geschäftsführung DER Stiftung zur Altersversorgung und Philip Schätzle, Geschäftsführer,  Metzler Asset Management GmbH
Torsten Pries, Dezernat Finanzen der Evangelisch-Lutherischen Kirche Norddeutschland und Geschäftsführung DER Stiftung zur Altersversorgung und Philip Schätzle, Geschäftsführer, Metzler Asset Management GmbH

Wie wird die Zielerreichung konkret überwacht?
Schätzle: Über ein zentrales Monitoring, das wir in enger Abstimmung mit dem Kunden definieren. Zentral dafür ist unser detailliertes Klima-Reporting, das Fortschritte, aber auch Abweichungen vom Zielpfad dokumentiert. Wichtig ist auch unser Frühwarnsystem für die Dekarbonisierungsdynamik des Investmentuniversums.

Pries: Das Reporting bietet uns einen großen Mehrwert. Es ermöglicht uns nicht nur die interne Steuerung, sondern auch eine transparente Kommunikation gegenüber unseren Gremien.

Ein interessanter Aspekt ist das erwähnte Frühwarnsystem. Was hat es damit auf sich?
Schätzle: Wenn eine kritische Masse der Unternehmen oder Staaten im Investmentuniversum ihre Emissionen langsamer reduziert als erwartet, kann es schwierig werden, ambitionierte Klimaziele zu erreichen, ohne sich stark vom Markt zu entfernen. Unser Frühwarnsystem analysiert genau diese Dynamik und zeigt frühzeitig auf, wenn Zielpfade gefährdet sind.

Herr Pries, war das schon ein Thema bei Ihnen?
Pries: Nein, dafür sind unsere Klimaziele noch zu frisch. Für die Nordkirche arbeiten wir mit konkreten Klimaschutzplänen, die regelmäßig angepasst werden. Unser aktueller Plan trat 2022 in Kraft und läuft bis 2027. Aber Herr Schätzle spricht einen wichtigen Punkt an. Frühzeitig zu erkennen, dass bestimmte Zielsetzungen unter den gegebenen Marktbedingungen nur mit hohen aktiven Risiken erreichbar sind, ist entscheidend. Dann gilt es, die eigene Strategie zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen, ohne die Grundambition aufzugeben.

Das Klima-Overlay ist also mehr als ein Reporting-Tool?
Schätzle: Ja. Natürlich spielt Transparenz eine wichtige Rolle. Aber das Klima-Overlay ist vor allem auch ein Steuerungsinstrument. Es greift aktiv in die Investmentprozesse ein und macht Klimaziele operativ handhabbar.

Herr Pries, wie lautet Ihr Fazit nach der Einführung?
Pries:
Für uns ist das Klima-Overlay ein entscheidender Schritt gewesen, um unsere Klimastrategie aus der Konzeptphase in die Umsetzung zu bringen. Es schafft Struktur, Vergleichbarkeit und Verbindlichkeit – drei Dinge, die in der Praxis oft fehlen.

Herr Schätzle, werfen wir abschließend einen Blick nach vorn: Wird sich ein solcher Ansatz durchsetzen?
Schätzle: Davon bin ich überzeugt. Die Anforderungen an institutionelle Investoren steigen weiter – sowohl regulatorisch als auch vonseiten der Stakeholder. Immer mehr Institutionen und Unternehmen setzen sich Klimaziele. Diese auf die Kapitalanlagen zu übertragen, ist nur konsequent. Ein systematisches Instrument zur Steuerung von Klimazielen gerade in komplexen Masterfondsstrukturen wird daher zunehmend unverzichtbar.

Herr Pries, Herr Schätzle, vielen Dank für das Gespräch. 

Das Magazin für den institutionellen Anleger

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