Sind geopolitische Ereignisse überhaupt relevant für die Weltwirtschaft?
Die Lage im Iran spitzt sich zu
Der geopolitische Risikoindikatorindex (GPR) ist im Januar deutlich gestiegen, da das Thema Geopolitik wieder verstärkt in den Medien im Zusammenhang mit den Ereignissen in Venezuela und dem Iran diskutiert wurde. Der GPR-Index von Caldara & Iacoviello ist dabei ein nachrichtenbasierter Indikator, der die Intensität geopolitischer Spannungen über die Zeit misst. Konkret wird gezählt, wie häufig in großen internationalen Zeitungen Artikel erscheinen, die Themen wie Krieg, militärische Konflikte, Terrorismus, internationale Krisen oder nukleare Drohungen behandeln. Aus diesen Häufigkeiten wird eine Zeitreihe konstruiert und standardisiert.
Quellen: https://www.matteoiacoviello.com/, Metzler; Stand: 31.1.2026
* Der GPR misst das Auftreten von bedeutenden geopolitischen Ereignissen/Bedrohungen/Konflikten, indem die in der Presse verwendeten Schlüsselwörter gezählt werden. Der Wert zeigt den prozentualen Anteil der berücksichtigten Zeitungsartikel, in der die Schlüsselwörter vorkamen
Im Februar hat sich die Lage im Nahen Osten bisher sogar noch weiter zugespitzt, da die USA ihre Militärpräsenz in einem erheblichen Umfang ausbauen. Auch scheinen die Verhandlungen bisher noch keinen Durchbruch erzielt zu haben. Derzeit wird auf Polymarkets eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 60 Prozent gehandelt, dass die USA gegen den Iran einen militärischen Schlag bis zum 31. März ausführen werden.
Es besteht also ein erhebliches Risiko eines geopolitischen Konflikts. Die Frage ist jedoch, ob dieser Konflikt überhaupt relevant für die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft ist. Schon im Juni vergangenen Jahres gab es israelische und US-amerikanische Angriffe auf den Iran – ohne größere Auswirkungen. Tatsächlich zeigt eine Analyse des Internationalen Währungsfonds, dass die Aktienmärkte in den USA und Großbritannien typischerweise auf geopolitische Ereignisse nur etwa eine Woche lang reagieren. Nach einem Monat sind die Kurse in der Regel wieder im Plus.
In der Regel sind geopolitische Krisenherde für Börsen nur kurz eine Belastung – es sei denn, der Ölpreis wird in Mitleidenschaft gezogen.
Kursveränderung nach großen geopolitischen Events (Berechnung des IWF*) in %
Quellen: Internationaler Währungsfonds; Metzler; Stand: 15. April 2025
Quellen: Internationaler Währungsfonds; Metzler; Stand: 15. April 2025
Quellen: Internationaler Währungsfonds; Metzler; Stand: 15. April 2025
* IWF: Global Financial Stability Report, April 2025.
Geopolitik hat also in der Regel keine nennenswerten Auswirkungen auf die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft. Es gibt aber eine Ausnahme: Wenn geopolitische Ereignisse den Ölmarkt über einen längeren Zeitraum stören, drohen eine längere Kurskorrektur am Aktienmarkt und negative Folgen für die Weltwirtschaft.
Im vergangenen Jahr produzierte der Iran etwa 4,7 Millionen Barrel pro Tag an Öl und Ölprodukten (Petroleum and other liquid fuels), bei einer globalen Nachfrage von etwa 103,6 Millionen Barrel pro Tag. Das heißt, dass eine Beschädigung der iranischen Ölproduktion oder der iranischen Transportkapazitäten einen nennenswerten Effekt auf den globalen Ölmarkt hätte. Darüber hinaus könnte auch der Transport von Öl durch die Straße von Hormus beeinträchtigt werden. Etwa 20 Prozent der globalen Ölproduktion wird derzeit durch sie transportiert.
Sollte es zu einem militärischen Konflikt kommen und dadurch das globale Ölangebot beeinträchtigt werden, würde ein negativer Angebotsschock für die Weltwirtschaft drohen – mit einem Ölpreis von 90 bis 100 USD pro Barrel. Das heißt, die Inflation dürfte merklich anspringen und die realen Einkommen der Konsumenten sinken.
Eurozone: Aufschwungstendenzen
Der Aufschwung kommt, die Frage ist nur: wie stark. Der ifo-Index am Montag, das GfK-Konsumentenvertrauen am Dienstag und der Geschäftsklimaindex der Eurozone (Economic Sentiment Index) am Donnerstag werden darüber Aufschluss geben. Der starke Anstieg des Geschäftsklimaindex der Eurozone im Januar war schon ein sehr positives Signal, da er ein überraschend guter mit dem BIP-Wachstum der Eurozone gleichlaufender Indikator ist.
Grundsätzlich sind wir optimistisch und rechnen mit einem starken Wachstum von 1,5 Prozent in der Eurozone in diesem Jahr. Leider trübt die Geldmengen- und Kreditdynamik (Donnerstag) unsere positive Einschätzung etwas. Zuletzt verlangsamte sich die Dynamik merklich, was auf einen nachlassenden Kreditimpuls schließen lässt.
USA: Widerspruch am Arbeitsmarkt
Im Januar berichteten die Konsumenten laut der Konsumentenumfrage des Conference Boards von einem sich erheblich verschlechternden Arbeitsmarkt. Die offiziellen Arbeitsmarktdaten zeichneten dagegen ein sehr positives Bild. Es wird spannend zu sehen sein, ob die Konsumenten im Februar optimistischer in Bezug auf den Arbeitsmarkt geworden sind. Darüber hinaus werden noch die Immobilienpreise und die Erzeugerpreise veröffentlicht.
Japan: Vertrauensvotum an den Finanzmärkten
Seit dem großen Wahlerfolg von Premierministerin Takaichi hat sich die Lage an den japanischen Finanzmärkten beruhigt. Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen ist von in der Spitze 2,35 Prozent auf zuletzt etwa 2,15 Prozent gefallen und 1 US-Dollar kostet derzeit etwa 155 japanische Yen – in der Spitze waren es knapp 160. Die Finanzmärkte sind also zuversichtlich, dass die höheren Staatsausgaben keine größeren inflationären Verwerfungen auslösen werden.
Grundsätzlich sehen wir nach wie vor erhebliche mittelfristige Inflationsrisiken infolge der ultralockeren Geldpolitik. So dürfte das BIP-Wachstum im vierten Quartal tendenziell revidiert werden und ein stärkeres Wachstum zeigen. Auch dürfte Japan im ersten Quartal solide wachsen, wie die Industrieproduktion (Freitag) und die Einzelhandelsumsätze (Freitag) zeigen dürften. Gleichzeitig dürfte die Inflation im Großraum Tokyo (Freitag) hartnäckig leicht erhöht bleiben.
Die nächsten Turbulenzen an den japanischen Finanzmärkten dürften von der Bank von Japan ausgelöst werden, die früher oder später auf das starke Wachstum und die erhöhte Inflation reagieren muss.
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