Europa bleibt Dividendenhochburg
Für das Jahr 2026 erwarte ich einen weiteren Anstieg der Dividendenausschüttungen in Europa. Gemessen am MSCI Europe Index dürfte erneut ein Rekordjahr erreicht werden. Mit Ausnahme des von der Pandemie geprägten Jahres 2020 steigen die Ausschüttungen damit seit der Finanzkrise kontinuierlich. Bei einer aktuellen Dividendenrendite (für das Jahr 2026) von rund 3,2 % rechnen Analysten für den Zeitraum von 2025 bis 2028 mit einem durchschnittlichen Dividendenwachstum von rund sieben Prozent pro Jahr.
Europa bleibt damit aus globaler Sicht die attraktivste Region für Dividendeninvestoren. Zwar liegt die aktuelle Dividendenrendite auf Indexsicht leicht unter dem historischen Durchschnitt, dies ist jedoch vor allem Ausdruck einer Ausweitung der Bewertung. Die Ausschüttungsquoten bewegen sich aber weiterhin auf einem gesunden Niveau von etwa 50 Prozent. Zudem haben Aktienrückkäufe in Europa zuletzt deutlich an Bedeutung gewonnen und könnten die Gesamtrendite um weitere ein bis eineinhalb Prozentpunkte erhöhen.
Zusätzlichen Rückenwind für künftige Ausschüttungen erwarte ich von den angekündigten Fiskalmaßnahmen in Europa, die ab 2026 zunehmend in der Realwirtschaft wirksam werden dürften. Steigende Umsätze und Gewinne könnten sich entsprechend positiv auf die Dividendenentwicklung auswirken.
Auf Sektoroebene sind weiterhin Finanzwerte besonders attraktiv. Banken und Versicherer bieten mit rund fünf Prozent die höchsten Dividendenrenditen und ergänzen diese zunehmend durch Aktienrückkäufe. Auch das erwartete Dividendenwachstum im hohen einstelligen Bereich erscheint überzeugend. Darüber hinaus sehe ich Chancen im Bau- und Infrastrukturbereich sowie im Industriesektor. Diese Unternehmen dürften überdurchschnittlich von fiskalischen Impulsen profitieren, was Raum für positive Dividendenüberraschungen oder Sonderausschüttungen eröffnen kann.
Zur Vorsicht rate ich hingegen bei Sektoren, die zwar auf den ersten Blick hohe Dividendenrenditen bieten, deren Ausschüttungsquoten jedoch bereits überdurchschnittlich sind. In Bereichen wie Chemie, Einzelhandel und Energie liegt das Dividendenwachstum klar unter den Marktdurchschnitt und teilweise sogar unterhalb der Inflationsrate.